Proportionen der Weltbevölkerung

- eine nicht kommerzielle Website -
 



Foto: UN
Provisorische Startseite
während Umbauarbeiten

Haftungsausschluss
  E-Mail

 

- Mitte 2014 -




Es folgen einige statistische Angaben und Bemerkungen über Größe und Wachstum der Weltbevölkerung, Bevölkerungsdichte, Migration, Weltwirtschaft und Weltfrieden
und ganz unten eine kleine Linksammlung.


Seit Langem kursiert im Internet ein Gleichnis, das die Menschheit auf die Dimension eines 100-Seelen-Dorfes reduziert, um die Proportionen der Kontinente, das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen, von Weißen und Farbigen, Reichen und Armen usw. anhand der jeweiligen Anzahl der Dorfbewohner darzustellen. Die einen mögen das Bild, die anderen nicht. Ein Kritiker resümiert: "Wenn man die Dimensionen verschiebt, stimmt plötzlich nichts mehr. Zuerst dachte man, man werde schlauer dadurch. Jetzt begreifen wir, dass wir durch die mikroskopische Verkleinerung gerade das Entscheidende nicht wahrnehmen. Unsere Probleme sind Probleme unserer Größe. Wären wir kleiner, wir hätten sie nicht. Wir hätten andere" (Berliner Zeitung, Februar 2012).

An unserem Weltdorf mit 100 Einwohnern ist aber noch ein anderer Punkt kritisch anzumerken: Die Proportionen stimmen nicht mehr - jedenfalls nicht die Anzahl der Europäer, die meistens mit 21 angegeben wird. Das war einmal (wenn auch vor gar nicht langer Zeit, so etwa 1950). Heute sind es nur noch ganze 10 "Dorfbewohner".

(10 von 100 = zehn pro centum = 10 Prozent. - Mit ein wenig Prozentrechnung geht es auch ohne Dorf, das zwar als einfaches statistisches Index-Maß dienen kann, aber sicherlich nicht als soziologisches Menschheitsmodell.)

Dabei ist die Bevölkerungsexplosion der letzten Jahrzehnte zu bedenken. Ein 100-Seelen-Dorf von heute wäre im Jahr 1950 noch viel kleiner gewesen und hätte höchstens 35 Einwohner gehabt - und nur 7 oder 8 davon wären Europäer gewesen. Im Jahr 2050 wären es vermutlich nicht mehr, aber auch kaum weniger als die heutigen 10, wohingegen die Zahl aller Dorfbewohner auf 130 angestiegen sein dürfte. Doch sehen wir uns lieber die wirklichen Zahlen an (wobei die zukünftige Entwicklung natürlich nicht exakt berechenbar ist und die Ergebnisse daher nicht allzu genau zu nehmen sind):


WELTBEVÖLKERUNG 1950 bis 2050
(Millionen)
 major area> UN-Definition of Regions ]  1950  2000  2014  2015  2050 
 Nordamerika (ohne Mexiko) 172 315 358 361 446 
 Lateinamerika (= Süd- und Mittelamerika) und Karibik   168 526 623 630 782 
 Europa (ohne Türkei, mit asiatischem Teil der Russischen Föderation) 549 729 743 743 709 
 Afrika 229 808 1.138 1.166 2.393 
 Asien 1.396 3.717 4.342 4.385 5.164 
 Ozeanien (einschließlich Australien) 13 31 39 39 57 
 Welt 2.526 6.128 7.244 7.325 9.551 
 
  Quelle: United Nations Population Division: World Population Prospects, The 2012 Revision (mittlere Variante)
 
  (Die nächste Revision [The 2014 Revision] wird im Frühjahr 2015 zur Verfügung stehen.)

Den Projektionen der Vereinten Nationen zufolge wird sich die Weltbevölkerung in den hundert Jahren von 1950 bis 2050 (wovon schon fast zwei Drittel verstrichen sind) beinahe vervierfachen.

(Was sind schon 100 Jährchen? Kaum mehr als ein Menschenleben. - Allein in Deutschland lebten 2012 rund 13.000 Hundertjährige.)

Nie zuvor hat die Menschheit in ihrer vieltausendjährigen Geschichte so eine Epoche durchlebt.

1950  -  1960  -  1970  -  1980  -  1990  -  2000  -  2010  -  2020  -  2030  -  2040  -  2050
2,5 3,0 3,7 4,4 5,3 6,1 6,9 7,7 8,4 9,0 9,6  Milliarden

Dabei soll die Bevölkerung Europas in den nächsten Jahren nur noch geringfügig ansteigen, um dann langsam abzunehmen. 2050 beträgt sie noch das 1,3-fache von 1950.
Zeitgleich (von 1950 bis 2050) steigt die Bevölkerung in Nordamerika auf das 2,6-fache, in Asien auf das 3,7-fache, in Ozeanien (mit den Einwanderungsländern Australien und Neuseeland) auf das 4,5-fache und in Lateinamerika und Karibik auf das 4,7-fache von 1950, während sich die Bevölkerung Afrikas mehr als verzehnfacht!

Die Bevölkerung von Europa und Afrika:          1950
 
  1996
[ = ]
  2000
 
  2015
 
  2050
 
   
 
E:  549 Millionen
A:  229 Millionen
A:  2,4 Milliarden
E:  0,7 Milliarden
  E A E A E A E A E A  

1950 war Europa 2½-mal so groß wie Afrika, hundert Jahre später ist Afrika 3½-mal so groß wie Europa. - Das sagen nicht irgendwelche Panikmacher, sondern das Department of Economic and Social Affairs der Vereinten Nationen (wenn nicht expressis verbis, dann implizit, in trockenen statistischen Zahlen - nachzuprüfen anhand der Online Database).

Dabei darf man nicht übersehen, dass die Geburtenhäufigkeit in Afrika im Gesamtdurchschnitt von sechs bis sieben Kindern pro Frau in den 1950er bis 1980er Jahren schon auf vier bis fünf Kinder zurückgegangen ist. Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte basiert (u. a.) auf der Annahme eines weiteren Rückgangs der Fertilität auf etwa drei Kinder pro Frau (oder Elternpaar) bis 2050.

Dass solche, vielleicht gar nicht so "schlimm" wirkende und früher auch in Europa ganz normale Geburtenzahlen dermaßen gravierend auf das Bevölkerungwachstum durchschlagen, hat einen einfachen Hauptgrund: viel niedrigere Sterberaten als früher, als immer wieder Hungersnöte und Seuchen über die Menschen kamen und gerade Säuglinge und Kleinkinder dahinrafften wie die Fliegen. Diese Geißeln der Menschheit wurden mithilfe des technischen und medizinischen Fortschritts, globalem Know-how-Transfer und einer - wenn auch sehr halbherzigen - internationalen Solidarität recht erfolgreich bekämpft, worauf sich jedoch das genetisch und kulturell bedingte Fortpflanzungsverhalten der Spezies Mensch in weiten Teilen der Welt nur langsam einstellt. Die Folge ist ein exzessives Wachstum der Weltbevölkerung und viel individuelles Leid und Elend. Ein trauriges Kapitel ist auch die verbreitete Kinderarbeit, ohne die aber viele "kinderreiche" Familien nicht über die Runden kämen.

Unter der ständigen Bedrohung durch Hungersnöte haben die Chinesen (d. h. die KP) 1979 die Notbremse gezogen und die Ein-Kind-Politik eingeführt. (Faktisch ist daraus mehr sowas wie eine Ein-bis-zwei-Kinder-Politik geworden.)   In Indien wird die Zwei-Kind-Familie propagiert (eine noch nicht erreichte Zielsetzung). Zwei Kinder pro Elternpaar bedeuten eine "Bestandserhaltung" der Bevölkerung.   1,4 Kinder wie in Deutschland bedeuten, dass die Elterngeneration nur zu zwei Dritteln durch die Kindergeneration ersetzt wird und die Bevölkerung schrumpft (bzw. ohne Zuwanderung schrumpfen würde).

Bei der Größe der heutigen Weltbevölkerung entscheidet schon "ein halbes Kind" mehr oder weniger in der global-statistischen Durchschnittsfamilie über zehnstellige Bevölkerungszahlen auf Weltebene. Dabei bleibt unser Planet so groß, wie er ist.

Bei den absoluten Zuwächsen (zwischen 1950 und 2050) stellt Asien mit einem Plus von fast 3,8 Milliarden Menschen alles in den Schatten, Afrika folgt mit 2,2 Milliarden, auf die gesamte übrige Welt entfallen 1,1 Milliarden.

Gegenwärtig wächst die Weltbevölkerung um 81 Millionen Menschen pro Jahr (was ziemlich genau der Größe Deutschlands entspricht). Davon entfallen 43 Mio. auf Asien, 28 Mio. auf Afrika und 10 Mio. auf den Rest der Welt (d. h. eigentlich nur Amerika, da Europa kaum noch wächst und Ozeanien nicht ins Gewicht fällt). Eine Bevölkerungszunahme von 15 Milionen pro Jahr hat allein schon Indien. (Dazu wäre auch in frauenrechtlicher Hinsicht noch was zu sagen, aber das ist hier nicht das Thema. Auf Indien kommen wir jedoch unten noch kurz zurück.)

Wie sich dabei die demografischen Proportionen der Kontinente verschieben, zeigt die folgende Tabelle:


 
Anteile an der Weltbevölkerung (Prozent) 1950 bis 2050
 major area> UN-Definition of Regions ]  1950      2000      2014      2015      2050     
 Nordamerika (ohne Mexiko) 6,8 % 5,1 % 4,9 % 4,9 % 4,7 % 
 Lateinamerika (= Süd- und Mittelamerika) und Karibik   6,7 % 8,6 % 8,6 % 8,6 % 8,2 % 
 Europa (ohne Türkei, mit asiatischem Teil der Russischen Föderation) 21,7 % 11,9 % 10,3 % 10,1 % 7,4 % 
 Afrika 9,0 % 13,2 % 15,7 % 15,9 % 25,1 % 
 Asien 55,2 % 60,7 % 59,9 % 59,9 % 54,1 % 
 Ozeanien (einschließlich Australien) 0,5 % 0,5 % 0,5 % 0,5 % 0,6 % 
 Welt 100,0 % 100,0 % 100,0 % 100,0 % 100,0 % 
 
  berechnet nach: United Nations Population Division: World Population Prospects, The 2012 Revision

Die rasante Entwicklung zeigt sich auch in einem kleineren Zeitrahmen:

Wir schreiben bald das Jahr 2015. Die deutsche Wiedervereinigung liegt dann 25 Jahre zurück - ein überschaubarer Zeitraum. Betrachten wir diese und die nächsten 25 Jahre bis 2040:


WELTBEVÖLKERUNG 1990 bis 2040
(Millionen)
 major area> UN-Definition of Regions ]  1990    2015    2040 
 Nordamerika (ohne Mexiko) 282 + 79 = 361 + 65 = 426 
 Lateinamerika (= Süd- und Mittelamerika) und Karibik   445 + 185 = 630 + 127 = 757 
 Europa (ohne Türkei, mit asiatischem Teil der Russ. Föderation) 723 + 20 = 743 - 19 = 724 
 Afrika 630 + 536 = 1.166 + 833 = 1.999 
 Asien 3.213 + 1.172 = 4.385 + 695 = 5.080 
 Ozeanien (einschließlich Australien) 27 + 12 = 39 + 13 = 52 
 Welt 5.321 + 2.004 = 7.325 + 1.714 = 9.039 
 

Nach den obigen UN-Projektionen ist der Bevölkerungsanstieg in Asien und Afrika in den nächsten 25 Jahren (ein Zuwachs von über 1,5 Milliarden Menschen) rund 80-mal so hoch wie der Bevölkerungsschwund in Europa und etwa doppelt so hoch wie europäische Bevölkerung insgesamt.
Das liegt allerdings mehr an Afrika als an Asien, wo sich das Bevölkerungswachstum schon sichtlich verlangsamt hat und weiter verlangsamt und dennoch nach wie vor viel zur Übervölkerung des Planeten beiträgt.

Dabei ist die Geburtenhäufigkeit (total fertility) im Weltdurchschnitt schon auf 2,5 Kinder pro Frau gesunken. (Das ist ein ähnliches Niveau wie auf dem Höhepunkt des deutschen Babybooms in den 1960er Jahren.)
Auf diesem Niveau liegt die Geburtenhäufigkeit beispielsweise auch im heutigen Indien (wo sie noch in den 1960er Jahren doppelt so hoch war und dann stetig zurückging). Aus den höheren Kinderzahlen der letzten Jahrzehnte resultiert eine sehr jugendliche Altersstruktur der Bevölkerung. Abermillionen junge Leute wollen eine Familie gründen, wenn auch mit weniger Kindern. Das wird den UN-Projektionen zufolge dazu führen, dass die indische Bevölkerung in den nächsten 25 Jahren immer noch um 283 Millionen Einwohner zunimmt - nach 413 Millionen in den letzten 25 Jahren. Und das ist durchaus dramatisch.
Zum Vergleich: Die (flächenmäßig viel größeren) USA haben nach einem jahrhundertelangen (auf einem stetigen Strom von Einwanderern basierenden) starken Bevölkerungswachstum nicht mehr als 325 Millionen Einwohner [UN-Projektion für 2015] und sind damit die drittgrößte Nation der Welt hinter China und Indien. Das werden sie auch bleiben, zumal sie in den nächsten 25 Jahren noch um 58 Millionen Einwohner wachsen sollen (durch Einwanderung und Geburten, nicht zuletzt Geburten der Einwanderer). Indien wird China demografisch überholen und zur größten Nation der Erde "aufsteigen", aber die Landesfläche wächst nicht mit.

Die Flammenschrift an der Wand ist klipp und klar: "The writing on the wall is loud and clear and an acceptable way has to be found which fits into our socio-political system so that the dream of population stabilization becomes a reality in not too far a distant", schrieb einmal die indische Volkszählungsbehörde. Und das gilt nicht nur für Indien, sondern die Menschheit insgesamt.

Nachdem die siebte Milliarde gerade erst [2011/12] voll wurde, folgt schon 2024 die achte und 2040 die neunte Milliarde. Anfang der 60er Jahre dieses Jahrhunderts soll dann die zehnte Milliarde voll sein.

In der Vergangenheit haben die Vereinten Nationen mit ihren vorausberechneten Weltbevölkerungszahlen gar nicht so schlecht gelegen. Ende der 1950er Jahre, als die Weltbevölkerung noch unter drei Milliarden lag, wurden für das Jahr 2000 rund 6,28 Mrd. Menschen errechnet. 6,13 Mrd. sind es geworden. 6,28 Mrd. wurden im Jahr 2002 erreicht (vgl. an anderer Stelle auf dieser Website: ausgewählte Zahlen aus den 23 UN-Projektionen seit 1951).

Für Länder mit explosivem Bevölkerungswachstum ist die soziale Stellung der Frauen von entscheidender Bedeutung, die - wie es Demografen formulieren - vor allem die Kontrolle über die eigene Fertilität bekommen müssen (und nicht etwa schon als Minderjährige zwangsverheiratet werden - siehe Unicef-Foto 2007 mit einem 40-jährigen Afghanen und seiner 11-jährigen "Braut" (RP Online).

Ein richtiger Knick in der Bevölkerungsentwicklung ist jedoch auch nicht unproblematisch, führt er doch nach wenigen Jahrzehnten zu einer extremen Überalterung. Und wer versorgt dann die Alten? In schwach entwickelten Ländern sind Kinder für viele die einzige Altersvorsorge, je mehr, desto besser - eine Rechnung, die aber für das ganze Land nicht aufgeht, und ein großes Dilemma für die ganze Welt.




Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte der gesamten Welt liegt nach Angaben der Vereinten Nationen bei 54 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand 2015). Weit darunter die Bevölkerungsdichte Ozeaniens: nur 5 Einwohner je Quadratkilometer. (Hier macht sich das riesige, kaum bewohnte und auch kaum bewohnbare Landesinnere von Australien bemerkbar.) Nordamerika kommt auf 17 Einwohner/km², Lateinamerika und Karibik auf 31 und Afrika auf 38 Einwohner/km². Betrachtet man den amerikanischen Doppelkontinent als Ganzes, erhält man 24 Einw./km². Diese Werte liegen alle deutlich unter dem Weltdurchschnitt von 54 Einw./km² (was auch auf die großen Anteile fast menschenleerer Wüsten, arktischer Gebiete, Hochgebirgsregionen oder Regenwälder zurückzuführen ist - Gebiete von größter Bedeutung für das Weltklima). Für Asien aber werden 138 Einwohner je Quadratkilometer angegeben. Und nun eine Überraschung: nur 32 Einwohner je Quadratkilometer in Europa. Da kann irgendetwas nicht stimmen.

Die Erklärung dafür ist einfach. Die UN-Statistiker zählen die gesamte Russische Föderation mitsamt ihrem besonders dünn besiedelten asiatischen Teil zu Europa. Demografisch mag das angehen, aber geografisch macht es keinen Sinn, die unendlichen sibirischen Weiten hinter dem Ural zu Europa zu rechnen.

Vom äußersten Osten Sibiriens ist es nur noch ein Katzensprung nach Japan und nach Alaska, das der russische Zar 1867 für gut sieben Millionen Dollar an die Amis verhökerte (für nicht einmal 5 Dollar pro Quadratkilometer, weniger als 5 Cent pro Hektar oder fünf millionstel Cent pro Quadratmeter). Der heutige US-Bundesstaat Alaska hat annähernd die fünffache Fläche Deutschlands mit etwas mehr Einwohnern als Frankfurt am Main - d. h. etwa 0,4 pro km².

Mit über 17 Millionen Quadratkilometern (etwa 48-mal so groß wie Deutschland) und rund 142 Millionen Einwohnern kommt die heutige Russische Föderation im Gesamtdurchschnitt auf gerade mal 8 Einwohner je Quadratkilometer. Ohne ihre Fläche und Bevölkerung käme Europa (vom Atlantik bis zur russischen Grenze) auf 98 Einwohner je Quadratkilometer.

Ohne Berücksichtigung Sibiriens (praktisch Nord-Asien) ist die gesamtasiatische Bevölkerungsdichte mit 138 Einw./km² stark überhöht angegeben. Würde man die Russische Föderation mit ihrer gesamten Fläche und Bevölkerung zu Asien rechnen (was natürlich auch nicht überzeugt), erhielte man 92 Einw./km². Für ganz Eurasien errechnen sich 93 Einw./km² (5,1 Milliarden Menschen auf 55 Millionen Quadratkilometern).

Zu Asien wird auch die gesamte Türkei gerechnet, mitsamt ihrem relativ kleinen, aber dicht bevölkerten europäischen Teil, zu dem auch der westliche Teil von Istanbul gehört. (Läge die gesamte Stadt westlich des Bosporus, wäre sie die größte Europas. Mit annähernd 14 Millionen Einwohnern [2012] hat Istanbul etwa viermal so viel Einwohner wie Berlin und beinahe soviel wie Schweden und Norwegen zusammen.) Weite Landesteile der Türkei sind jedoch dünn bevölkert, im Gesamtdurchschnitt liegt die Bevölkerungsdichte bei 98 Einw./km² und repräsentiert damit in etwa den eurasischen Gesamtdurchschnitt.

Zusammenfassender tabellarischer Überblick:

Einwohner je Quadratkilometer 2015
Nordamerika (ohne Mexiko)  17   24     54 
Lateinamerika und Karibik 31 
Europa ohne russischen Teil 98  32     93 
Russland 8   92 
Asien ohne russischen Teil  138   
Afrika 38   
Ozeanien 5 

(Die fettgedruckten Zahlen sind originäre UN-Angaben,
die übrigen selbst errechnet.)

Mithilfe weiterer Quellen könnten wir Russland und die Türkei splitten und die europäischen Anteile mit dem übrigen Europa zusammenrechnen. Für Europa bis zum Ural und Bosporus gibt Wikipedia 75 Einwohner je Quadratkilometer an (im Jahr 2011).

Mit gut 90 Einw./km² übertrifft demnach das riesige, demografisch stark gewachsene Asien - selbst unter Einbeziehung des fast menschenleeren Sibiriens - das kleine Europa auch schon hinsichtlich der Bevölkerungsdichte. Allerdings ist die mehr oder weniger willkürliche Grenze zwischen den beiden Kontinenten seit jeher mehr eine kulturelle als eine geografische und eine Grenzziehung durch einzelne Staaten hindurch in demografischer Hinsicht wenig sinnvoll.

Von den Durchschnittswerten der großen Weltregionen weichen viele Staaten ganz erheblich ab!!!

Auf nur nur 2 Einwohner je Quadratkilometer kommt die Mongolei. Ein katastrophaler Extremfall ist Bangladesch mit weit über 1.000 Einwohnern je Quadratkilometer. Obwohl in China fast ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung lebt, kommt das Land - dank flächengroßer, aber bevölkerungsarmer Landesteile wie Tibet und Innere Mongolei - auf nicht mehr als 146 Einw./km² (UN-Angabe für 2015). In vielen Provinzen ist die Bevölkerungsdichte jedoch sehr viel höher. Es gibt chinesische Provinzen, die mehr Einwohner haben als ganz Deutschland - auf einer wesentlich kleineren Fläche. Das gilt auch für einige indische Bundesstaaten. Indien, das sich fast über einen ganzen Subkontinent erstreckt, erreicht im Gesamtdurchschnitt eine Bevölkerungsdichte von 390 Einwohnern pro Quadratkilometer, die in den kommenden Jahrzehnten noch auf 500 Einw./km² steigen soll. (Wie dabei auch noch das Pro-Kopf-BIP auf ein akzeptables Niveau gesteigert werden soll, ohne die Umwelt völlig zu ruinieren, erscheint mehr als schleierhaft.)

Japan (eines der wenigen hoch industrialisierten Länder Asiens) hat eine Bevölkerungsdichte von 336  Einw./km². Der Großraum Tokio ist der größte Ballungsraum der Erde. Um da zu leben, braucht man wohl eine besondere Mentalität [Foto]. Doch die japanische Bevölkerung schrumpft. Die Geburtenrate ist nicht höher als die deutsche und die Zuwanderung erheblich geringer.

Mit 412 Einwohnern/km² liegt in Europa ein Land an der Spitze, von dem man es nicht unbedingt erwarten würde: die Niederlande.

Die Bevölkerungsdichte im Großraum Amsterdam lässt sich mit der von Los Angeles vergleichen: "De gemiddelde bevolkingsdichtheid in de ‘agglomeratie Amsterdam’ is 28,8 inwoners per hectare, dus alleszins te vergelijken met Los Angeles" (Blog eines Amsterdamer Stadtplaners). [28,8 Einwohner pro Hektar sind 2.880 Einwohner je Quadratkilometer.]
Auf dem folgenden Satellitenfoto sieht man im Westen u. a. Amsterdam, Den Haag und Rotterdam und in der Bildmitte Utrecht - die vier großen Städte der "Randstad Holland". Die Großstadt Almere - in der oberen Bildmitte, östlich von Amsterdam - entstand erst in den 1970er Jahren auf einem trockengelegten Teil des IJsselmeers.

Satelliten-Foto
Holland bei Nacht aus dem All
[ESA]

"Drei Hauptfaktoren tragen dazu bei, dass die niederländische Umwelt als stark gefährdet angesehen werden muss: Eine hohe Bevölkerungsdichte, eine leistungsfähige Wirtschaft (inkl. intensiver Agrarwirtschaft) und die Lage zwischen hochindustrialisierten Ländern" (Uni Münster, Haus der Niederlande).
Der hohen Bevölkerungsdichte in der Randstad steht eine hohe Viehdichte in den ländlichen Gebieten gegenüber: "Die Niederlande haben nach wie vor ein massives Gülleproblem, das sich darin äußert, dass nicht genügend Agrarland zur Ausbringung der in Mastställen produzierten Gülle zur Verfügung steht. (...) Besonders prekär ist die Lage in der Provinz Noord-Brabant, in welcher Verhältnisse vergleichbar mit denen im Südoldenburgischen herrschen, jedoch in verschärfter Form und mit noch größerem räumlichen Ausmaß. Erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser sowie Artensterben durch Versauerung der Böden und ‘umkippende’ Gewässer gehören hier nach wie vor zu den drängendsten Problemen" (a. a. O.).

Das nach Gesamtfläche und Gesamtbevölkerung gut mit den Niederlanden vergleichbare und unmittelbar an sie angrenzende deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen "erfreut" sich sogar einer Bevölkerungsdichte von 515 Einwohnern/km² (Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Gebiet und Bevölkerung). Dabei verbleiben für den "Rest" der Republik (mit 78 % der Bevölkerung) immer noch 195 Einwohner je Quadratkilometer, das Doppelte der europäischen Bevölkerungsdichte ohne Russland, ein Wert, den nur wenige Länder in Europa überbieten, alles benachbarte oder fast benachbarte Länder, namentlich die Niederlande (412), Belgien (366), Großbritannien (262), Luxemburg (210), Italien (203) und - kaum zu glauben - die Schweiz (200 Einwohner/km²) - [UN-Projektionen für 2015].

Das sind auch im Wesentlichen jene Länder, durch die die "Blaue Banane" verläuft: ein großer, historisch gewachsener Verdichtungsraum mitten in Europa, der selbst die US-amerikanische Ostküste übertrifft. Er reicht von England über die Ballungsgebiete am Rhein und seinen Nebenflüssen bis nach Norditalien.

Zur Bevölkerungsdichte in der EU (und einigen weiteren Ländern wie der Türkei) siehe Eurostat, Statistical Atlas: Population Density auf Basis von administrativen Einheiten der NUTS-3-Ebene. In Deutschland ist das die Verwaltungsebene der Kreise.

Statistical Atlas
Bevölkerungsdichte in Europa
[Eurostat]

Wo sich jedoch die ganz großen Zusammenballungen der menschlichen Spezies befinden (vor allem am Ganges und am Gelben Meer), zeigt eine spezielle Weltkarte (ohne Staats- und Verwaltungsgrenzen):

Weltkarte
Global Population Density Estimates, 2015
[CIESIN / FAO / CIAT]

Eine aus nächtlichen Satellitenaufnahmen der NASA zusammengesetzte Weltkarte lässt besonders die Metropolregionen der Industrieländer hervortreten:

Satelliten-Karte
Erde bei Nacht aus dem All
[NASA]

(Selbstverständlich ist nicht überall auf der Welt gleichzeitig Nacht wie auf dieser Satellitenkarte.)




Demografische Statistiken und Projektionen basieren auf Datenerhebungen und Fortschreibungen sowie zukunftsbezogenen Annahmen über Geburten, Sterbefälle und Wanderungsbewegungen.

Wanderungen werden häufig saldiert angegeben, also als Netto-Zuwanderung und Netto-Abwanderung. Daraus ergeben sich auf Ebene der o. a. Weltregionen folgende Zahlen: gegenwärtige Netto-Abwanderung aus Asien: 1,4 Millionen pro Jahr, aus Lateinamerika: 0,6 Mio. und aus Afrika: 0,5 Mio. Demgegenüber beträgt die Netto-Zuwanderung in Nordamerika (praktisch USA und Kanada) und in Europa jeweils 1,2 Mio. und in Ozeanien (mit den klassischen Einwanderungsländern Australien und Neuseeland) zwischen 0,1 und 0,2 Mio. pro Jahr. (Allerdings sind kurzfristige Schwankungen möglich.)

Dass die UN-Demografen für die nächsten Jahrzehnte von etwa gleichbleibender oder leicht sinkender Netto-Migration zwischen den Kontinenten ausgehen und für ganz Afrika pro Jahr nie mehr als 0,5 Mio. Netto-Abwanderer in die übrige Welt annehmen, muss angesichts der zunehmenden Bootsflüchtlinge im Mittelmeer doch sehr verwundern.

Foto
Afrikanische Bootsflüchtlinge
[FRONTEX]

Demgegenüber hatte allein Deutschland im Jahr 2012 eine Netto-Zuwanderung von rund 0,4 Mio. Personen zu verzeichnen (genauer: 369.000). Die Brutto-Zuwanderung war natürlich noch viel höher und betrug über eine Million Menschen (genauer: 1.081.000), die vor allem aus anderen EU-Staaten zuzogen. 712.000 Personen zogen fort, überwiegend Ausländer (Statistisches Bundesamt im Mai 2013: Weiterhin hohe Zuwanderung nach Deutschland im Jahr 2012). Dadurch wuchs die Bevölkerung (die schon zu einem Fünftel aus Menschen mit "Migrationshintergrund" besteht) trotz anhaltender Geburtenschwäche um 0,2 Mio. auf 80,5 Mio. Einwohner und für 2013 wird ein zuwanderungsbedingter Anstieg auf knapp 80,8 Millionen erwartet (Stat. Bundesamt, Januar 2014), über 7,6 Mio. davon Ausländer (Stat. Bundesamt, März 2014) - ohne Doppelpass-Inhaber.
Im vorigen Jahrzehnt hatte die Netto-Zuwanderung dagegen stark nachgelassen und das Geburtendefizit nicht mehr ausgeglichen. Infolgedessen ging die Einwohnerzahl Deutschlands in den Jahren 2003 bis 2010 um etwa 0,8 Millionen zurück. Dieser Trend hat sich inzwischen völlig umgekehrt, die Netto-Zuwanderung ist zurzeit höher als in klassischen Einwanderungsländern wie Kanada oder Australien (vgl. z. B. Australian Government, Department of Immigration and Border Protection: The Outlook for Net Overseas Migration, December 2013).

Nach einer OECD-Studie ist Deutschland zurzeit das zweitbeliebteste Einwanderungsland der Welt hinter den USA (s. z. B. FAZ.net, Mai 2014). Der kleine, leider wenig beachtete Schönheitsfehler dabei ist der geografische Unterschied. Deutschland ist nicht Amerika.
(Warum sind wohl in der Vergangenheit so viele Deutsche dorthin ausgewandert, dass noch heute die Deutschamerikaner in den USA die stärkste Abstammungsgruppe bilden? "More than half of the nation’s 3,143 counties contain a plurality of people who describe themselves as German-American" - Bloomberg).
Die USA verfügen über ein Territorium von über 9.800.000 km², Deutschland nur über rund 357.000 km², wovon etwa 108.000 km² nur dem Beitritt der DDR im Jahr 1990 zu verdanken sind. Und Ostdeutschland ist bis heute - mangels ausreichender Arbeitsplätze - ein Abwanderungsgebiet.

Eine ganz extreme Zuwanderung hatte im vorigen Jahrzehnt ein mittelgroßes europäisches Land, von dem man dies nicht unbedingt erwartet: Spanien. UN-Angaben zufolge summierte sich die dortige Netto-Einwanderung von 2000 bis 2010 auf etwa 5 Millionen Menschen und war damit fast halb so hoch wie im Masseneinwanderungsland USA. Dabei ist natürlich der Größenunterschied der Länder zu bedenken. Spaniens Nettomigrationsrate war in dieser Zeit etwa dreimal so hoch wie die der USA.
Als Ergebnis der Volkszählung vom November 2011 meldet das spanische Statistikamt einen Bevölkerungsanstieg um fast 6 Millionen (14,6 %) in einem Jahrzehnt auf 46,8 Millionen Einwohner. ("Casi seis millones más en una decada [...] La principal causa del incremento de la población entre 2001 y 2011 se debe a la inmigración. En este periodo la población extranjera residente en España se ha incrementado en casi 3,7 millones de personas"- Instituto Nacional de Estadística: Población.)
Die ausländische Bevölkerung stieg um 3,7 Mio. auf 5,3 Millionen, darunter besonders viele Lateinamerikaner (spanische Muttersprachler), Rumänen und Marokkaner. Die Deutschen gehören zwar auch zu den zehn größten Ausländergruppen, dominieren auf den Inseln (Balearen und Kanaren), liegen aber landesweit hinter Chinesen und nur knapp vor Bulgaren.

Unter den Zugewanderten befinden sich auch viele illegal Einwanderte, die später legalisiert wurden. In einem Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2005 heißt es: "Während Südeuropa die billigen Arbeitskräfte dringend braucht, amnestieren westeuropäische Länder wie Großbritannien oder Belgien vor allem aus humanitären Gründen." Man achte auf den ersten Halbsatz. Billige Arbeitskräfte hat Südeuropa inzwischen genug, was fehlt ist Arbeit.

Neben den vielen Migranten mit wirtschaftlichen Motiven gibt es die politisch Verfolgten und die Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge. Anfang 2013 lebten nach Angaben von UNHCR im Mittleren Osten 500.000 registrierte syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Bis zum Ende des Jahres stieg die Zahl auf 2,3 Millionen. Bis Ende 2014 wird mit einem Anstieg auf über 4 Millionen gerechnet. Nur ein kleiner Teil findet bislang Aufnahme in Europa, doch immerhin: "Die Zahl der Syrer in Deutschland hat sich seit Beginn des Konflikts von etwa 30.000 auf rund 60.000 verdoppelt. Monatlich gewährt Deutschland über die Aufnahmeprogramme hinaus ca. 1.500 Asylbewerbern aus Syrien Schutz" (BMI, Februar 2014).

Diese wenigen Beispiele lassen erahnen: Schon ein leichter Anstieg der von den UN-Statistikern angenommenen Abwanderungsraten Asiens und Afrikas würde für das kleine Europa einen starken Anstieg der Zuwanderung bedeuten und die (kulturell zunehmend heterogene) Bevölkerung Europas würde nicht zurückgehen, sondern weiter wachsen, ungeachtet der bereits erreichten hohen Bevölkerungsdichte.




Von den (Dis-)Proportionen der Weltbevölkerung zu den (Dis-)Proportionen der Weltwirtschaft:


Etwa die Hälfte der gesamten Weltwirtschaft (gemessen am gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt KKP 2012 aller Länder in Höhe von 97,2 Billionen "international dollars" der Weltbank) geht auf nur sechs Volkswirtschaften zurück. (KKP = Kaufkraftparität oder englisch: purchasing power parity. Ein international dollar - der nur als statistische Recheneinheit existiert - hat im jeweiligen Land dieselbe Kaufkraft wie ein US-Dollar in den USA.)

Anteile am Bruttoweltprodukt nach Kaufkraftparität:
USA: 16,7 %, China: 15,2 %, Indien: 6,5 %, Japan: 4,7 %,
Deutschland: 3,5 % und Russland: 3,5 %
(berechnet nach Weltbankdaten vom Mai 2014:
Gross domestic product 2012, PPP
[z. T. mit erheblichen Änderungen gegenüber dem Veröffentlichungsstand vom April 2014]).

USA: ...... 16.244.600 Millionen international $
China: .... 14.802.942 Millionen
Indien: .... 6.354.588 Millionen
Japan: ..... 4.543.515 Millionen
Deutschland: 3.434.191 Millionen
Russland: .. 3.385.844 Millionen

Welt: ..... 97.227.807 Millionen, also rund 97,2 Billionen
   
 
  USA CHN IND JAP DEU RUS

(China nähert sich den USA, Indien hat Japan überholt, Russland liegt fast gleichauf mit Deutschland.)


Im Kontrast zum Wirtschaftsvolumen steht die Bevölkerungsgröße dieser Länder:

Anteile an der Weltbevölkerung:
USA: 4,5 %, China: 19,2 %, Indien: 17,6 %, Japan: 1,8 %,
Deutschland: 1,1 % und Russland: 2,0 %
(berechnet nach Weltbankdaten vom Mai 2014:
Population 2012).

USA: ........ 313.914.000 Einwohner
China: .... 1.350.695.000
Indien: ... 1.236.687.000
Japan: ...... 127.561.000
Deutschland:   80.426.000
Russland: ... 143.533.000

Welt: ..... 7.043.903.000, also gut 7,0 Milliarden
   
 
  USA CHN IND JAP DEU RUS

(Die USA haben fast viermal soviel Einwohner wie Deutschland und China gut viermal soviel wie die USA.)


Aus den obigen BIP- und Einwohner-Zahlen lassen sich leicht die entsprechenden Pro-Kopf-Werte errechnen. Das Pro-Kopf-BIP KKP gilt als einer der wichtigsten Indikatoren für die "Wirtschaftskraft" und den wirtschaftlichen Entwicklungsstand eines Landes im internationalen Vergleich. Das Ergebnis mag überraschen:

BIP KKP 2012 je Einwohner:

USA: ....... 51.749 international $
China: ..... 10.960
Indien: ..... 5.138
Japan: ..... 35.618
Deutschland: 42.700
Russland: .. 23.589

Welt: ...... 13.803
   
 
  USA CHN IND JAP DEU RUS

(Beim Pro-Kopf-BIP liegt selbst das überaus dynamische China immer noch unter dem Weltdurchschnitt!     
Wenn die ganze Welt das Pro-Kopf-BIP der USA erreichen wollte, müsste sich das Weltprodukt annähernd 
vervierfachen. Und die USA müssten ihr Wachstum stoppen, bis die anderen aufgeholt haben. - Ha-ha-ha!)


Ebensoleicht kann man das BIP je Quadratkilometer errechnen (obwohl sich dafür - zumindest in Deutschland - keine Sau zu interessieren scheint). Das Ergebnis überrascht wieder:

BIP KKP 2012 je Quadratkilometer:

USA: ........ 1,7 Millionen international $ pro km²
China: ...... 1,5 Mio.
Indien: ..... 1,9 Mio.
Japan: ..... 12,0 Mio.
Deutschland:  9,6 Mio.
Russland: ... 0,2 Mio.

Welt: ....... 0,7 Mio.


Landesflächen nach FAO-Angaben an anderer Stelle auf dieser Website.
   
 
  USA CHN IND JAP DEU RUS

(Das BIP ist das Brutto-Inlands-Produkt. - Ein hohes Pro-Kopf-BIP in einem bevölkerungsreichen Land
mit relativ kleiner Landesfläche erfordert eine wirtschaftliche Flächeninanspruchnahme, die sich nicht  
endlos steigern lässt. - Das ganze Gerede über die "Wachstumsschwäche" Japans ist unangebracht.) 
[Shinjuku lässt grüßen.]


Die obigen Vergleiche basieren auf Angaben in "international dollars", einer künstlichen Vergleichswährung der Weltbank, die realistischere internationale Vergleiche ermöglichen soll als die wechselkursabhängige Bewertung in US-Dollar. In US$ ausgedrückt, fallen die obigen krassen Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften noch krasser aus und das niedrige Pro-Kopf-BIP Indiens und Chinas ist noch niedriger und das flächenbezogene BIP Japans noch höher. Nur in den USA stimmen beide Dollar-"Sorten" exakt überein, denn: "An international dollar has the same purchasing power over GDP as the U.S. dollar has in the United States" (Weltbank, www.worldbank.org).

  Bruttoinlandsprodukt 2012
international dollar US-Dollar
USA  16.244.600 Millionen  16.244.600 Millionen
China 14.802.942 Millionen 8.227.103 Millionen
Indien 6.354.588 Millionen 1.858.740 Millionen
Japan 4.543.515 Millionen 5.961.066 Millionen
Deutschland 3.434.191 Millionen 3.425.928 Millionen
Russland 3.385.844 Millionen 2.014.775 Millionen
Welt 97.227.807 Millionen 72.681.982 Millionen
  (Berechnungsstand: Mai 2014)

(Anmerkung: Gegenüber dem Veröffentlichungsstand vom April 2014 haben sich die Angaben in international dollars z. T. ganz erheblich geändert.)


Von landesweiten Durchnittswerten können regionale oder örtliche Werte ganz extrem nach oben oder unten abweichen. In Bezug auf das BIP pro Flächeneinheit wurde für New York County (praktisch Manhattan) ein 55.000-mal so hoher Wert ermittelt wie für Keweenaw County (die Spitze einer Halbinsel sowie eine Insel im Oberen See): "The densest county is New York, New York, which has a GDP per square mile of $1.5 billion. This is about 55,000 times more than the least dense county east of the Mississippi ($ 27 thousand per square mile in Kenseenaw, Michigan)" [aus: Globalization and Poverty, herausgeben von Ann Harrison 2007, S. 128 - im Auftrag des National Bureau of Economic Research]. 1 billion = 1 Milliarde und 1 mi² = rund 2,59 km². Auf deutsche Flächenmaße umgerechnet, belaufen sich die o. a. Beträge auf grob 10.500 Dollar/km² in der Randregion im Mittleren Westen gegenüber grob 580 Millionen Dollar/km² in der Weltzentrale des Kapitals mit ihren vielfältigen "Finanzdienstleistungen". Auch die gehen in das BIP ein.


In den meisten Fällen entspricht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes in etwa dem Bruttonationaleinkommen (BNE).

Anhand des Pro-Kopf-BNE (in US-Dollar, also nicht nach Kaufkraft wie bei den BIP-Angaben oben) teilt die Weltbank die Volkswirtschaften der Welt (darunter sehr kleine, kaum bekannte Länder und politisch teilautonome Gebiete) in vier Kategorien ein:  hoch - obere Mitte - untere Mitte - niedrig.
Zur ersten Gruppe gehören zum Beispiel die USA, Japan, Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein, aber auch die südeuropäischen Krisenländer einschl. Griechenland sowie (ganz knapp) Russland und Polen. (Die Ukraine dagegen taucht erst in der dritten Gruppe auf!) Die Spannweite innerhalb der ersten Gruppe ist allerdings enorm: weniger als 13.000 US-$ pro Kopf in Russland und Polen, annähernd 24.000 US-$ in Griechenland, rund 45.000 US-$ in Deutschland und beinahe 100.000 US-$ im kleinen, aber feinen Norwegen (was allerdings ohne Nordseeöl und -gas etwas anders aussähe).
Die zweite Gruppe beinhaltet die obere Mitte. Klingt gut, aber dazu gehören z. B. die EU-Armenhäuser Rumänien und Bulgarien. Auch die Türkei fällt in diese Kategrie, ebenso wie das große China.
Zur dritten Gruppe (untere Mitte) gehören z. B. Indien und Indonesien oder die Palästinensergebiete.
Die ganz armen Länder bilden die vierte Gruppe, z. B. Bangladesch, Afghanistan und viele afrikanische Staaten. Auch das undurchsichtige Nordkorea wurde hier eingeordnet.
Hier eine Komplett-Übersicht mit 214 Volkswirtschaften von den USA bis Tuvalu:

75 "high-income economies" (Pro-Kopf-BNE [2012] 12.616 US-$ oder mehr):
Äquatorialguinea, Amerikanische Jungferninseln [us-amerik.], Andorra, Antigua und Barbuda, Aruba [niederl.], Australien, Bahamas, Bahrain, Barbados, Belgien, Bermuda [brit.], Brunei Darussalam, Chile, Curaçao [niederl.], Dänemark, Deutschland, Estland, Färöer [dän.], Finnland, Frankreich, Französisch-Polynesien [franz.], Griechenland, Grönland [dän.], Großbritannien und Nordirland, Guam [us-amerik.], Hongkong [chin.], Insel Man (Isle of Man) [brit.], Irland, Island, Israel, Italien, Japan, Kaimaninseln [brit.], Kanada, Kanalinseln [brit.], Katar, Kroatien, Kuwait, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Macau (Macao) [chin.], Malta, Monaco, Neukaledonien [franz.], Neuseeland, Niederlande, Nördliche Marianen [us-amerik.] Norwegen, Oman, Österreich, Polen, Portugal, Puerto Rico [us-amerik.], Russland, San Marino, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Singapur, Sint Maarten [niederl.] Slowakei, Slowenien, Spanien, St. Kitts und Nevis, St. Martin [franz.] Südkorea, Trinidad und Tobago, Turks- und Caicosinseln, Tschechien, Uruguay, USA, Vereinigte Arabische Emirate, Zypern

55 "upper-middle-income economies" (Pro-Kopf-BNE [2012] 4.086 bis 12.615 US-$):
Albanien, Algerien, Amerikanisch-Samoa [us-amerik.], Angola, Argentinien, Aserbaidschan, Belize, Bosnien und Herzegowina, Botsuana, Brasilien, Bulgarien, China, Costa Rica, Dominica, Dominikanische Republik, Ecuador, Fidschi, Gabun, Grenada, Iran, Irak, Jamaika, Jordanien, Kasachstan, Kolumbien, Kuba, Libanon, Libyen, Malaysia, Malediven, Marshallinseln, Mauritius, Mazedonien, Mexico, Montenegro, Namibia, Palau, Panama, Peru, Rumänien, Serbien, Seychellen, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Südafrika, Suriname, Thailand, Tonga, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Tuvalu, Ungarn, Venezuela, Weißrussland (Belarus)

48 "lower-middle-income economies" (Pro-Kopf-BNE [2012] 1.036 bis 4.085 US-$):
Ägypten, Armenien, Bhutan, Bolivien, Dschibuti, Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire), El Salvador, Georgien, Ghana, Guatemala, Guyana, Honduras, Indien, Indonesien, Jemen, Kamerun, Kap Verde, Kiribati, Kosovo, Rep. Kongo, Laos, Lesotho, Marokko, Mauretanien, Mikronesien, Moldau (Moldawien), Mongolei, Nicaragua, Nigeria, Osttimor (Timor-Leste), Pakistan, Papua-Neuguinea, Paraguay, Philippinen, Salomonen, Sambia, Samoa, São Tomé und Príncipe, Senegal, Sri Lanka, Sudan, Swasiland, Syrien, Ukraine, Usbekistan, Vanuatu, Vietnam, Palästinensische Gebiete (Westjordanland und Gaza)

36 "low-income economies" (Pro-Kopf-BNE [2012] 1.035 US-$ oder weniger):
Afghanistan, Äthiopien, Bangladesch, Benin, Burkina Faso, Burundi, Eritrea, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Haiti, Kambodscha, Kenia, Kirgistan, Komoren, Dem. Rep. Kongo, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mosambik, Myanmar (Birma), Nepal, Niger, Nordkorea, Ruanda, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südsudan, Tadschikistan, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik

(nach World Bank list of economies [February 2014]
"Classifies all (...) economies, with populations of more than 30,000. For operational and analytical puposes, economies are divided among income groups according to 2012 gross national income (GNI) per capita, calculated using the World Bank Atlas method.")

Einige Volkwirtschaften liegen sehr nahe an der Grenze zu einer anderen Gruppe, sodass sich die Zuordnung schnell ändern kann. Auch aktualisierte Einwohnerzahlen nach einer Volkszählung können das Pro-Kopf-BNE und natürlich auch alle anderen Pro-Kopf-Werte signifikant verändern. In Deutschland z. B. steigen durch die nach dem Zensus 2011 nach unten korrigierte Einwohnerzahl alle Pro-Kopf-Werte um fast zwei Prozent nach oben.




Demografie - Geografie - Ökonomie

Zusammenhänge und Disparitäten zwischen diesen weiten Feldern lassen sich eindrucksvoll am Beispiel einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom August 2013 demonstrieren. Darin geht es um die landwirtschaftliche Flächennutzung für importierte oder in Deutschland produzierte Nahrungsmittel, die anschließend im Inland konsumiert oder exportiert werden.

"Für den Inlandsverbrauch von Ernährungsgütern wurde im Jahr 2010 insgesamt eine Fläche von 20,1 Millionen Hektar benötigt." Für die Erzeugung dieser Güter standen in Deutschland jedoch nur 14,7 Mio. ha zur Verfügung. Aufgrund dieses "Flächendefizits" von 5,5 Mio. ha musste ein großer Teil der Nahrungsmittel im Ausland produziert und von dort importiert werden. (Manche dieser Güter wären aber sowieso schon aus klimatischen Gründen nicht in Deutschland zu erzeugen.)

Zur Deckung des deutschen Inlandsbedarfs war also viel Fläche im Ausland erforderlich, doch damit nicht genug, Deutschland ist auch ein großer Exporteur von Nahrungmitteln, die in erheblichem Maße auf importierte Vorprodukte zurückgehen: "Die deutschen Exporte von Ernährungsgütern sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Für deren Herstellung werden zunehmend sowohl inländische Flächen als auch Flächen im Ausland genutzt." Der im Inland nicht zu deckende landwirtschaftliche Flächenbedarf erhöhte sich dadurch weiter, sodass insgesamt 18,2 Mio. ha im Ausland belegt werden mussten, zum Beispiel für Viehfutter.

Von der ausländischen Fläche dienten nach den Berechnungen der Statistiker 13,1 Mio. ha dem deutschen Inlandsverbrauch und 5,1 Mio. ha dem deutschen Export ins Ausland, während von der inländischen Fläche 7,0 Mio. ha dem Inlandsverbrauch und 7,7 Mio. ha dem Export dienten. Insgesamt belegte der Export 12,7 Mio. ha. Der Import-Export-Saldo von 18,2 Mio. ha - 12,7 Mio. ha = 5,5 Mio. ha entspricht dem oben errechneten Flächendefizit hinsichtlich des Inlandsbedarfs.

Das Statistische Bundesamt betont: "Der Saldo aus der Flächenbelegung der Importe und Exporte (Nettoimporte) erhöhte sich von 3,8 Millionen Hektar im Jahr 2000 auf 5,5 Millionen Hektar im Jahr 2010. Dies macht die gestiegene Abhängigkeit der Inlandsversorgung von Ernährungsgütern aus dem Ausland deutlich."

Von den 18,2 Mio. ha Auslandsfläche, die für Inlandsverbrauch und Export in Anspruch genommen wurden, dienten 4,1 Mio. ha zur Herstellung von Produkten tierischen Ursprungs und 14,1 Mio. ha zur Herstellung von Produkten pflanzlichen Ursprungs.

Die grundlegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes - übertragen in eine Kreuztabelle:

Flächenbelegung im In- und Ausland für Ernährungsgüter
in Tausend Hektar
2010 Flächen in
Deutschland
Flächen im
Ausland
für deutsche
Importe
Summen
für den Verbrauch in Deutschland 6.983 13.133 20.117
für Exporte aus Deutschland ins Ausland 7.676 5.072 12.749
Summen 14.660 18.206  
100 Hektar = 1 Quadratkilometer
(Um die Quadratkilometer zu erhalten, braucht man also an die obigen Zahlen nur eine Null anzuhängen.
)

Halten wir fest:
14.660.000 ha = rund 147.000 km² landwirtschaftlich genutze Fläche (41 % von Deutschland) mussten (2010) durch 18.206.000 ha = rund 182.000 km² im Ausland ergänzt werden, um die Bevölkerung Deutschlands zu versorgen und die Exportgeschäfte der deutschen Nahrungsmittelhersteller in Gang zu halten. Diese zusätzliche Fläche ist gut und gerne so groß wie das gesamte Baltikum (Estland, Lettland, Litauen), ausschließlich für landwirtschaftliche Nutzung. Ohne den deutschen Export bliebe noch ein rechnerisches Flächendefizit von 5.457.000 ha = rund 55.000 km².

Anscheinend sind deutsche Lebensmittel wegen ihrer hohen Qualität international sehr wettbewerbsfähig, aber der beeindruckende Export hat auch seine Schattenseiten und ist manchmal nur ein einfaches Hin und Her für eine Verarbeitungsstufe, etwa wenn die französische oder dänische Fleischindustrie Mindestlöhne umgeht, indem sie ihre Schweine in Deutschland schlachten lässt, wodurch zu Hause Arbeitsplätze verloren gehen. Und die deutschen Schlachthöfe setzen - unter miserablen Arbeitsbedingungen - fast nur osteuropäische Arbeitskräfte ein (vgl. auch Die Zeit, November 2013). Auf so eine EU verzichten viele EU-Bürger gerne, und das drückt sich dann auch schon mal in Wahlergebnissen aus.

Hinweis: Die o. a. 14.660.000 ha innerhalb Deutschlands sind diejenige landwirtschaftliche Fläche, die für Ernährungsgüter genutzt wird. Zusammen mit der Nutzung für Energiepflanzen, Brachflächen usw. ergeben sich 16.832.000 ha = rund 168.000 km² (gut 45 % von Deutschland). Doch Vorsicht, Statistiken haben so manche Tücken! Die "landwirtschaftlich genutzte Fläche" ist nicht identisch mit der "Landwirtschaftsfläche". Die ist komischerweise etwas größer und beträgt (2012) rund 186.000 km² = 52 % der deutschen Staatsgebietes von rund 357.000 km² (Stat. Ämter: Flächennutzung). Erklärung für die Divergenz: "Die der Flächenerhebung entstammende Landwirtschaftsfläche und die aus der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte landwirtschaftlich genutzte Fläche sind nicht identisch. Bei der Flächenerhebung werden bestehende Register – die amtlichen Liegenschaftskataster der Länder – sekundärstatistisch ausgewertet. [...] Dagegen basiert die ebenfalls jährliche Bodennutzungshaupterhebung auf einer Befragung landwirtschaftlicher Betriebe und der Auswertung von Verwaltungsdaten (hier aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem). [...] Die beiden Erhebungen haben jeweils andere Zielsetzungen, die ihre Unterschiede verständlich machen. [...]" (mehr dazu: Statistisches Bundesamt).

Und der Flächenverbrauch im Ausland, ist er die Bohne wert? Die Sojabohne, die man vor die Säue wirft?

Foto
Sojaernte in Brasilien
[Bing Wallpapers]

In deutschen Massentierhaltungen gibt es viele Millionen Rinder, Schweine, Schafe und Millionen Stück Geflügel: "Die Futtermittel müssen importiert werden, und zwar hauptsächlich in Form von Sojabohnen. Die Sojabohnen werden auf riesigen Plantagen in Südamerika auf Flächen angebaut, die ehemals von einzigartigen tropischen Regenwäldern bedeckt waren. 80 Prozent der Sojabohnen landen als eiweißreiches Mastfutter in den Massentierhaltungen von Nordamerika und der EU, zehn Prozent werden zu Agrartreibstoffen verarbeitet, neun Prozent werden in der Margarineherstellung verwendet und etwa ein Prozent für andere Soja-Lebensmittel" (Faszination Regenwald).


Im industriell geprägten Deutschland ist nicht nur die Landwirtschaftsfläche knapp, auch die Flächen für die übrigen Wirtschaftszweige werden knapper. Deren Gewerbeflächen sind Bestandteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV). "Neben Arbeit und Kapital ist auch die SuV ein Einsatzfaktor für die Produktion von Waren und Dienstleistungen" (M. Deggau 2008: Flächennutzungsmonitoring, auf Destatis).

"Täglich werden in Deutschland rund 74 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme – kurz Flächenverbrauch - von ca. 106 Fußballfeldern. Zwar lässt sich ‘Fläche’ im engeren Wortsinn nicht ‘verbrauchen’. Fläche ist jedoch – wie auch der Boden - eine endliche Ressource, mit der der Mensch sparsam umgehen muss, um sich seine Lebensgrundlagen zu erhalten. Flächenverbrauch ist ein schleichendes Phänomen. Bürger und selbst politische Entscheidungsträger nehmen es kaum wahr. Daher mangelt es weithin am nötigen Problembewusstsein" (sagt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, Oktober 2013).




Der Kampf um Land (als Jagdgrund, Weide- oder Ackerfläche, Siedlungraum oder Hort von Bodenschätzen) und um das lebensnotwendige Wasser, das Mensch und Vieh und Felder tränkt, zieht sich wie ein blutroter Faden durch die Menschheitsgeschichte und ist bis heute eine der größten Bedrohungen für den Weltfrieden.

Mit den Worten: "Wir, die Völker der Vereinten Nationen - fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menscheit gebracht hat", beginnt die UN-Charta von 1945. Doch selbst das jüngste UN-Mitglied, der nach einem langen Sezessionskrieg erst 2011 unabhängig gewordene Südsudan, versinkt schon wieder im Bürgerkrieg. UN-Statistiken besagen, dass sich die dortige Bevölkerung in weniger als zwanzig Jahren verdoppelt hat.

UN-Blauhelme sind im Land, darunter auch ein paar Bundeswehr-Soldaten. Ein Offizier berichtete 2011: "Die klassischen Konflikte zwischen den Stämmen laufen traditionell weiter. Da bringt ein Stamm schon mal etliche Angehörige eines anderen Stammes um, ob Frau, Kind oder Mann. Kinder werden auch verschleppt, weil Angehörige dieses Stammes zuvor Rinder gestohlen hatten.
Nun muss man wissen, dass das Rind hier alles ist: Schutz, Vermögen, Tauschgut, Nahrungs- und Getränke- sowie Bekleidungs-, Ausrüstungs- und Baustoffspender – und vieles mehr. Ein Rind gibt einem alles, was man zum Leben benötigt. Nach einer derartigen Lünchaktion ziehen die Täter meist unbehelligt wieder zurück ins eigene Dorf, als wenn nichts gewesen wäre.
Die örtliche Polizei und die landeseigenen Streitkräfte greifen nicht beherzt ein, da sie häufig aus der gleichen Region kommen und diese traditionellen Vorgänge ihrer Stämme kennen. (...)
Ich bin nach acht Wochen meines Einsatzes nur sehr gebremst optimistisch" (Bw, Juli 2011).

Ende 2013 eskalierte die Gewalt. "Praktisch jeder Südsudanese (...) ist direkt oder mittelbar vom aktuellen Konflikt betroffen. Sei es, dass Verwandte geflüchtet sind oder getötet wurden, oder die Nachbarn oder Kollegen plötzlich verschwunden sind" (Bw, Januar 2014). "Aufgrund der volatilen Sicherheitslage im Südsudan, die immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen führen kann, hat die Bundeswehr den Vereinten Nationen angezeigt, die bisher unbewaffnet bei UNMISS eingesetzten Soldaten temporär mit Pistolen zur Selbstverteidigung auszustatten" (Bw, Februar 2014).
Ein bisschen Selbstverteidigung. - Aber mit Pistolen würden die Soldaten, die lieber Aufbauhelfer sein wollen, ein zweites Ruanda nicht verhindern.

"Seit einigen Monaten beobachten wir mit großer Sorge, wie sich durch den Bürgerkrieg im Südsudan die Lage für die Zivilbevölkerung dramatisch verschlechtert hat. Wir hören Meldungen, dass Bevölkerungsgruppen über Radiosender aufgerufen werden, einander zu töten. Diese Lage erinnert fatal an die Anfänge des Völkermordes 1994 in Ruanda" (EKD im Mai 2014).

Das Ausmaß des von Milizionären und Zivilisten innerhalb von nur hundert Tagen begangenen Genozids in Ruanda, der nach zwanzig Jahren fast schon zu einer Fußnote der Weltgeschichte verblasst ist, obwohl er grauenhafte Maßstäbe setzte, muss man sich mal plastisch vorstellen: Die Zahl der 800.000 oder mehr Todesopfer (mehr als jeder zehnte Landesbewohner) entspricht 100 Massakern von Srebrenica (Bosnien 1995) und übersteigt - wenn der Vergleich erlaubt ist - die 700.000 Gefallenen von Stalingrad! Und dazu bedurfte es keiner Panzer, keiner Artillerie, keiner Luftwaffe. Selbst Handfeuerwaffen waren weitgehend entbehrlich. Macheten, mit denen die Opfer niedergemetzelt wurden, tatens auch. Jede Menge Schädel und Knochen werden in Gedenkstätten aufbewahrt [> Rwanda Image Gallery].

Es klingt zynisch und pietätlos, aber Ruandas Einwohnerzahl hat sich davon schnell "erholt". Zwar lässt sich die Bevölkerungsentwicklung der 1990er Jahre aufgrund großer Flüchtlings- und Rückkehrbewegungen schwer nachverfolgen, doch anhand von UN-Angaben kommt man zu dem Ergebnis, dass die Population Ruandas schon fünf Jahre nach dem Völkermord größer war als je zuvor.

Auf dem Tiefpunkt 1994 und 1995 hatte das kleine Land weniger als 6 Millionen Einwohner, 2015 sind es über 12 Millionen, die meisten unter 20 Jahre alt, also nach dem Völkermord geboren.
Zwar geht die Geburtenhäufigkeit zurück. 1950 lag sie bei etwa acht, vor zwanzig Jahren bei sechs bis sieben und heute bei vier bis fünf Kindern pro Frau. Die Richtung stimmt, aber es geht zu langsam. Dabei hat Ruanda - das vor hundert Jahren zur Kolonie Deutsch-Ostafrika gehörte - schon eine ganz außergewöhnlich hohe Bevölkerungsdichte erreicht, die annähernd so hoch ist wie im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen (das eine etwas größere Fläche besitzt). "Ruanda ist der am dichtesten besiedelte Staat Afrikas. (...) Eine hohe Bevölkerungsdichte, verbunden mit Landknappheit und dem Mangel an natürlichen Ressourcen, setzen dem wirtschaftlichen Wachstum enge Grenzen" (meint die Hilfsorganisation ChildFund Deutschland).
Und in großen Lagern leben heute zigtausend Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern des schwarzen Krisenkontinents. "Flüchtlingskinder und HIV/Aids betroffene Kinder gehören weiterhin zu den verletzlichsten Kindern in Ruanda. Sie profitieren noch kaum von den gesellschaftlichen Fortschritten des Landes" (Unicef).

Nichts ist gefährlicher für den Weltfrieden als zu viele Menschen, die zum Leben zu wenig haben und zum Sterben zu viel.






Bis zu einer grundlegenden Überarbeitung der Website
werden hier einige jüngere Seiten provisorisch eingebunden:


Länder der Erde (Fläche)

Bevölkerung in West- und Ostdeutschland
1950 bis 2010 (Stand vor dem Zensus 2011) und aktuelle Daten seit dem Zensus 2011


NEU [Juni 2016]  Europa und die Weltbevölkerungsexplosion



Eine kleine Sammlung externer Links:


UN (United Nations), Population Division: World Population Prospects

The World Bank: World DataBank
IDB des U.S. Census Bureau: International Data Base (IDB)
Eurostat (Statistisches Amt der EU): Bevölkerung
DESTATIS (Statistisches Bundesamt Deutschland): Internationales, Daten nach Staat
CIA (Central Intelligence Agency): The World Factbook
GeoHive (statistics of regions, countries, provinces and cities)
City Population (Länder, Agglomerationen, Verwaltungsgebiete, Städte)
Populstat (historical demography of all countries, their divisions and towns)
UT Maps = University of Texas at Austin: Perry-Castañeda Library Map Collection