Zynische Bemerkungen eines deutschen Nicht-Anti-Amerikaners

(Cynical Remarks of a German Non-anti-American)


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Zum Inhalt der - nur stellenweise zynischen - Bemerkungen
(mit vielen Fakten und Links auf andere Websites):

Im Anschluss an eine kurze Vorbemerkung mit Daten zur Wirtschaft und Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika folgt (noch auf dieser Seite)
Teil 1. Er handelt vor allem von Geschehnissen aus der dramatischen deutsch-amerikanischen Geschichte und der Geschichte der Deutsch-Amerikaner (der größten Abstammungsgruppe innerhalb der US-Bevölkerung). Dabei zeigt sich nicht nur, dass die USA einen deutschen Stempel tragen (wie auch Deutschland einen amerikanischen), sondern auch: Nothing lives long.

Teil 2 thematisiert das Weltbevölkerungswachstum als Konfliktquelle und Kriegsgefahr und will deutlich machen, wie sehr uns die übrige Weltbevölkerung über den Kopf gewachsen ist und noch wächst. Allein die Bevölkerung Indiens hat in den letzten fünf Jahren (Mitte 2000 bis 2005) um die Einwohnerzahl Deutschlands zugenommen. Dabei war Deutschland 2000 noch die Nummer 12 unter den Staaten der Welt, wurde aber inzwischen von Vietnam und den Philippinen überholt. Und schon in wenigen Jahren wird auch das armselige Äthiopien größer sein als Deutschland.
Die Vereinigten Staaten als drittgrößte Nation der Welt liegen um eine Milliarde Einwohner hinter der Nummer eins, der Volksrepublik China, zurück, was aber manche Amerikaner nicht davon abhält zu überlegen: How we would fight China.

In Teil 3 lästert der Autor (wieder mal) über das Wirtschaftswachstum, denn neben dem Wachstum der Weltbevölkerung birgt auch das Weltwirtschaftswachstum Gefahren, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Weltfrieden. Man denke beispielsweise an eine Verknappung des Mineralöls, das zum internationalen Zankapfel werden könnte. Schon heute fordern kritische Amerikaner: No blood for oil. Ein absurd erscheinendes Diagramm zeigt, was - rein rechnerisch - dabei herauskäme, wenn sich das amerikanische Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte noch lange so fortsetzen würde.

In Teil 4 gibt der Autor seinem Zynismus nochmal Zucker.
Etwas kreuz und quer geht es noch einmal um blaue und grüne Helme, Gewehre, Bomben und Granaten. Wir begegnen einem Tiger aus Deutschland, der sich in England pudelwohl fühlt (obwohl er Zeiten erlebt hat, in denen sich Briten und Deutsche weniger gut verstanden), werfen angesichts neuer Gefahren einen Blick auf die nordwest-europäische und die nordost-amerikanische Megalopolis und hören von Nordmerikas Drachensaat (Mommsen) und Mohammeds umweltbewusster Kriegführung, vom asymmetrischen und dissymmetrischen Krieg, von Che Guevaras vielen Vietnams und dem Mordverbot für amerikanische Staatsbedienstete. Und wir begrüßen drei neue Europas seit 1980.
Am Ende steht die Frage eines berühmten amerikanischen Schriftstellers: For whom the bell tolls.



Vorbemerkung

Als Vorbemerkung ein paar Angaben zur Wirtschaft und Bevölkerung der USA. Zunächst ein Diagramm zum realen Wirtschaftswachstum seit 1929. Zahlen und Quellenangaben zum Diagramm finden Sie auf einer internen Seite dieser Website, aktuelle amerikanische Wirtschaftsdaten beim Bureau of Economic Analysis, BEA, U.S. Department of Commerce.


 
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts der USA von 1929 bis 2004
- erstellt nach Zahlen des Bureau of Economic Analysis vom April 2005 -
 


Beeindruckend: 75 Jahre amerikanisches Wirtschaftswachstum ab 1930, ausgehend vom BIP 1929. Die erste Säule im Diagramm steht für das BIP 1929, die dunkleren Säulen markieren die runden Jahre 1930, 1940, 1950 usw.

Ein gewaltiger Höhenflug, beginnend mit starken Turbulenzen nach dem Schwarzen Freitag (eigentlich ein Donnerstag) im Oktober 1929 an der New Yorker Börse, der die große Weltwirtschaftskrise einleitete. Wir sehen hier deutlich, wie das amerikanische Bruttoinlandsprodukt rapide zurückging, bevor es mit dem 2. Weltkrieg und der entsprechenden Rüstungsproduktion wieder steil anstieg.

Von 1938 (dem letzten Vorkriegsjahr in Europa, als die Deutsche Wehrmacht nach dem Münchener Abkommen bereits ins Sudetenland einrückte) bis 1944 (als die Alliierten in der Normandie landeten und bis zu den Ardennen vorrückten) hat sich das US-BIP real verdoppelt.

Und das war ganz entscheidend für die Weltgeschichte, denn all dem Zeugs, was da drinsteckte und sich auf den Schlachtfeldern Europas, im Pazifik und im Luftraum über Deutschland und Japan "entfaltete", hatten "Krauts" und "Japs" immer weniger entgegenzusetzen, und auch ihr fanatischer Kampfgeist ersparte ihnen am Ende nicht die bedingungslose Kapitulation.

Anmerkung: Der aktive Kriegseintritt der USA erfolgte zwar erst im Dezember 1941, nach dem japanischen Luftangriff auf Pearl Harbor und der Kriegserklärung des mit Japan verbündeten Deutschen Reiches, aber da war die amerikanische Kriegsproduktion schon angelaufen: "For Roosevelt, just as for most democratic politicians in Europe, ‘Munich’, the ‘Crystal Night’ of November 1938 and the German invasion of Czechoslovakia marked a psychological turning point. ... Already in 1939, he had the Neutrality Acts partially restricted. Under the new provisions, short-term loans could be granted to belligerents (Britain and France, of course) and weapons and ammunition could be purchased on a ‘cash and carry basis’. ... A $4 billion bill passed through Congress for stocking up the U.S. arsenal" (B. Wahler: The American Century. 4. World War II: Towards an entangling alliance).

Nach dem 2. Weltkrieg ging das US-BIP zunächst wieder deutlich zurück, stieg dann aber (mit kurzen konjunkturellen Unterbrechungen) von 1949 bis 2004 auf das 6,6-fache an, also um über 560 Prozent innerhalb von 55 Jahren. Und so imposant die amerikanische Weltkriegsproduktion auch gewesen war, verglichen mit dem heutigen Wirtschaftsvolumen erscheint das damalige US-BIP geradezu mickerig.

Allein der Zuwachs des Jahres 2004 (+ 460,6 Milliarden chained [2000] dollars beträgt schon ein Viertel des Gesamt-BIP von 1944 (1.806,5 Mrd. chained dollars). Das Gesamt-BIP 2004 ist mit 10.841,9 Mrd. chained dollars 6-mal so hoch wie 1944 und 17-mal so hoch wie 1933 (635,5 Mrd. chained dollars), das Jahr, in dem die USA und die Weltwirtschaft noch tief in der großen Rezession steckten und in Deutschland ein gewisser Adolf Hitler an die Macht kam.

Allerdings ist in der Zwischenzeit auch die US-Bevölkerung erheblich gewachsen und hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ungefähr verdoppelt. Nach Angaben aus der International Data Base (IDB) des U.S. Census Bureau (Stand: April 2005) zählte die US-Bevölkerung noch im Jahre 1950 (gerundet) 152 Millionen und stieg bis 2004 auf 293 Mio. an.

Ihre räumliche Verteilung [2000] zeigt eindrucksvoll die so genannte Nighttime Map des U.S. Census Bureau (siehe ggf. Archiv).

Umfassende statistische Daten liefert auch FEDSTATS, auch für einzelne Bundesstaaten, Counties und Städte. Siehe dazu auch anklickbare Grafikkarte der USA: MAPSTATS.


Zynische Bemerkungen ...

Teil I

Im Folgenden geht es unter anderem um
das Blutvergießen an der Westfront in der Schlussphase des 2. Weltkriegs,
die Bombardierung Dresdens,
die Atombomben auf Japan, einen kleinen Jungen und einen dicken Mann,
den merkwürdigen General Patton,
die martialische Rolle der Deutsch-Amerikaner in der US-Geschichte,
die Kriegsverwendung eines deutschen Weihnachtsliedes,
die deutsch-amerikanische Brüderschaft im Kalten-Krieg,
das deutsch-amerikanische Zerwürfnis aufgrund des Irak-Kriegs,
den Öl-Geruch im Weißen Haus,
den Dollar, den Taler und den Petrodollar,
das Apache-Killing-Video und
die Rolle ehem. Hamburger Studenten bei den "September 11th Attacks" 2001.


Schon wenige Jahre, nachdem Nazi-Deutschlands Städte in Schutt und Asche gesunken und in Hiroschima und Nagasaki die grauenhaften Atompilze in den Himmel gestiegen waren, bildeten die USA mit ihren ehemaligen Todfeinden ein Trio, das nun nicht nur die eigenen Volkswirtschaften, sondern auch die Weltwirtschaft mit großer Dynamik vorantrieb.

Eigentlich eine glückliche Wendung der Geschichte, die uns mit Dankbarkeit gegenüber den USA erfüllen sollte, die einen aber auch zynisch stimmen kann - angesichts der schauerlichen Bilder und Berichte, die uns von den fassungslosen Befreiern der Konzentrationslager hinterlassen wurden, und der Gräber der Gefallen, manchmal Tausende von Steinkreuzen, so wie an der Küste der Normandie, hier auf einer Luftaufnahme der American Battle Monuments Comission:


[Amerikanischer Soldatenfriedhof in der Normandie - Foto: American Battle Monuments Comission]


Am "D-Day" (6. Juni 1944) hatte hier die größte militärische Landungsoperation der Geschichte stattgefunden. Dabei konnte jedoch weder die mächtige Schiffsartillerie noch die Luftwaffe der Alliierten verhinden, dass ihre Soldaten, vor allem im amerikanischen Landungssektor "Omaha-Beach", in Massen von deutschen Maschinengewehren niedergemäht oder von Granaten zerrissen wurden. Um diesen hohen Preis endete "der längste Tag" mit dem Sieg der materiell überlegenen Invasionsstreitkräfte.


Angreifende Landungstruppen:

[Landung in der Normandie]



[Gefallener US-Soldat am Omaha-Beach. Neben dem Toten ein Kreuz aus zwei Gewehren. (Wikipedia)]

(Gefallener US-Soldat)


Im gesamten Krieg haben allein die USA (nach Angaben der American Battle Monuments Comission) ihren Sieg in Europa und im Pazifik mit 405.399 Kriegstoten bezahlt, 78.976 im militärischen Einsatz Vermisste eingerechnet. Aber wofür haben sich die alliierten Soldaten, die "fallen heroes", geopfert (oder wurden geopfert)? Für Frieden und Freiheit und Freundschaft zwischen den Völkern oder für Wirtschaft, Wachstum und internationalen Wettbewerb?

(Auf den heutigen Wirtschaftswachstumswahn und das Wettbewerbsgequatsche der Globalisierungsapologeten kommen wir noch in Teil 3 zu sprechen.)

Über den Gräbern business as usual. Was ist zynischer als Krieg und Business, die engen Verbindungen zwischen beiden und der rasche Wechsel von einem zum anderen? Der aber, Mr. President, funktioniert nicht immer so gut wie damals in Japan und Germany.


[Junge deutsche Kriegsgefangene werden von einem amerikanischen Soldaten bewacht. - Foto: dpa]


Wie "willig" und kooperativ die Deutschen (die Westdeutschen) auf einmal waren und welch gelehrige Schüler in den Fächern Demokratie und Marktwirtschaft! (Und später kam auch noch NATO-Kunde dazu.)

Und die Amis konnten auch etwas von den besiegten Deutschen lernen und übernahmen Technologie und Personal aus den Waffenschmieden des Dritten Reiches und entwickelten V2 und Me 262 in den USA weiter, um ihre künftigen Feinde auch mit düsengetriebenen Jägern und Bombern und weit reichenden Raketen Democracy zu lehren und in aller Welt den stolzen Worten der amerikanischen Nationalhymne Nachdruck zu verleihen: "And the rockets’ red glare, the bombs bursting in air, gave proof through the night that our flag was still there."

In einem Artikel über Hitlers "Wunderwaffen" meint stern.de: "So konnte auch die V-2 die Niederlage nicht verhindern. Sie ist aber das Urmodell aller Atomraketen des Wettrüstens; und als 1969 Wernher von Braun die ersten Menschen zum Mond schickte, tat er das mit einer Rakete, die auf seiner V-2 basierte. Militärisch war die gefürchtete ‘Wunderwaffe’ allerdings ein Flop: Zwar fielen ihr etwa 6000 Menschen zum Opfer. Mehr als drei Mal so viele starben aber bei der Produktion in unterirdischen Zwangsarbeiterlagern."


1949 meinte ein deutscher Politiker und ehemaliger Weltkriegsoffizier: "Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen" (ein Zitat, von dem er ein paar Jahre später nicht mehr viel wissen wollte). 1956 wurde er Verteidigungsminister und leitete den Aufbau der Bundeswehr: Franz Josef Strauß.

Schon 1955, nur zehn Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands, war die Bundesrepublik Mitglied der (1949 in Washington gegründeten) NATO geworden und Anfang 1956 rückten die ersten deutschen Nachkriegs-Kameraden in die Kasernen ein.


[Werbeplakat für die in die NATO integrierte Bundeswehr, um 1956]

Werbeplakat für die junge Bundeswehr
(Deutsches Historisches Museum: Wiederbewaffnung)



Sicherlich können und müssen wir den Amerikanern und ihren Verbündeten dankbar dafür sein, dass sie Deutschland vom Hitler-Regime befreit haben. Aber haben sie die Deutschen wirklich "befreit"? In Deutschland wurde jedenfalls viel darüber diskutiert, ob es sich um eine Befreiung oder eine Niederlage handelte. Versuchen wir doch mal, das mit den Augen der damaligen Befreier zu sehen:

Wenn in den letzten Kriegstagen ein Deutscher, den man bei Kriegsbeginn, ob er wollte oder nicht, in eine Wehrmachtsuniform gesteckt hatte, und der seitdem für Führer, Volk und Vaterland viel durchgemacht hatte, aber entweder nicht tapfer oder nicht blöd genug war, bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen, sich nun einem amerikanischen Soldaten ergab, der allerdings noch die letzte große deutsche Gegenoffensive in den belgischen Ardennen in frischer Erinnerung hatte, bei der noch einmal viel amerikanisches Blut geflossen war - wenn also dieser Deutsche, sein Gewehr fallen lassend und die Hände hoch nehmend, diesen Amerikaner freudestrahlend als "Befreier" begrüßt hätte, wäre er wahrscheinlich mit einem kräftigen Tritt in den Hintern noch gut weggekommen.

Die Ardennenoffensive (s. auch Ardennen Poteau ‘44 Museum), von den Amerikanern "The Battle of the Bulge" genannt (die Schlacht um die Front-Ausbuchtung, welche die angreifenden deutschen Heeresverbände in die Linien der Alliierten hineintreiben konnten), begann am 16. Dezember 1944 im Schutze des Nebels, der die alliierte Luftwaffe am Boden hielt. Erst mit der Wetterbesserung kurz vor Weihnachten konnte sie in die Kämpfe eingreifen.

Auch der Rest der deutschen Luftwaffe beteiligte sich an der Ardennenenschlacht - und wurde dabei verheizt. Frohe Weihnachten! Am 24. Dezember wurden - ausgerechnet von den vor ihrer unaufhaltsamen Niederlage stehenden Deutschen - erstmals in der Militärgeschichte Angriffe mit düsengetriebenen Bombern geflogen, u. a. gegen Bahnhöfe, die dem Nachschub der Alliierten dienten.

Den konnten die Deutschen allerdings nicht unterbinden, so wie sie den eigenen nicht aufrechterhalten konnten. Ihren Panzern ging der Kraftstoff aus und die konnten nun (insbesondere aus der Luft) abgeschossen werden wie lahme Enten. Auch die Soldaten der berüchtigten 1. SS-Panzerdivision (Leibstandarte Adolf Hitler) mussten ihre Kampfwagen, darunter die besonders gefürchteten Königstiger (Tiger II) stehen lassen - und machten sich zu Fuß auf den Weg zurück nach Deutschland.

Aber zigtausend Deutsche und Amerikaner zahlten in den wochenlangen Kämpfen mit ihrem Leben. Viele amerikanische Eltern, die seit der Landung in der Normandie um ihre Söhne in Europa gebangt hatten, erhielten in jenen Tagen eine traurige Nachricht. Amerikanische Quellen sprechen von 19.000 Toten in den Ardennen, allein auf amerikanischer Seite.

Dabei hatten viele US-Boys auf ihrem Vormarsch - bis zu den Ardennen - schon gehofft, Weihnachten wieder zu Hause zu sein. "I’ll Be Home For Christmas" hatten sie gesungen, aber viele von ihnen blieben für immer in Neupre bei Lüttich, auf dem Ardennes American Cemetery:

Zusammen mit den Verwundeten, deren Qualen wir auch nicht vergessen dürfen, und den Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten - wenn auch nur noch für kurze Zeit - beliefen sich die amerikanischen Verluste in der Ardennen-Schlacht auf ungefähr achtzigtausend Mann (die deutschen Verluste auf ungefähr hunderttausend).

Zum Ergebnis der Schlacht meinen die Autoren der oben bereits angelinkten belgischen Website zur Ardennenoffensive: "Wenn auch die deutschen Truppen den erhofften Erfolg nicht erzielen konnten, so hatten sie jedoch eines bewirkt: Die alliierten Vorbereitungen zu einer Offensive ins Reichsgebiet wurden unterbunden und die in Elsass-Lothringen kämpfenden Einheiten der Heeresgruppe G konnten verloren gegangenes Gelände wieder zurückgewinnen. Was allerdings am schwersten wog, war die Tatsache, dass diese Großoffensive in den Ardennen jene Panzerverbände gekostet hatte, die die Rote Armee an der Ostfront hätten zurückschlagen können, als diese ab dem 12.1.1945 aus den Weichselbrückenköpfen zu ihrer Winteroffensive antrat, die sie direkten Weges bis nach Ostdeutschland und bis zur Oder bringen würde."


Das heißt aber sicherlich nicht, dass die Deutsche Wehrmacht ohne das Desaster in den Ardennen mit der Roten Armee im Osten leichtes Spiel gehabt hätte. Schließlich hatte der ganze gnadenlose Krieg an der Ostfront noch ganz andere Ausmaße gehabt als im Westen, vor allem im Hinblick auf die Zahl der Gefallenen. Allein in der Schlacht um Stalingrad (August 1942 bis Februar 1943) waren mehr als 150.000 deutsche Soldaten umgekommen. Etwa 100.000 gingen in Gefangenschaft, von denen später nur 6.000 heimkehrten.

Um die deutschen Angreifer in dieser Schlacht zu schlagen, mussten allerdings über eine halbe Million russische Soldaten sterben - mehr, als die Amerikaner im gesamten Zweiten Weltkrieg in Europa und im Pazifik verloren.

Für das russische Volk, in denen die Nazis nur "slawische Untermenschen" sahen, ging es ums Überleben. Grimmig entschlossen sangen die Sowjetsoldaten das Lied vom Heiligen Krieg - natürlich nicht vom "Dschihad", sondern vom "Swjaschtschennaja Woina". In deutscher Übersetzung: "Steh auf, steh auf du Riesenland! Heraus zur größten Schlacht! Den Nazihorden Widerstand! Tod der Faschistenmacht! - Es breche über sie der Zorn wie finstre Flut herein. Dies soll der Krieg des Volkes, der Krieg der Menschheit sein." (> Text und Melodie).

Infam und grotesk, wie Reichspropagandaminister Goebbels in seiner berüchtigten Berliner Sportpalastrede die Niederlage in Stalingrad erklärte: "Es ist verständlich, daß wir bei den großangelegten Tarnungs- und Bluffmanövern des bolschewistischen Regimes das Kriegspotential der Sowjetunion nicht richtig eingeschätzt haben. Erst jetzt offenbart es sich in seiner ganzen wilden Größe. ... Wäre die deutsche Wehrmacht nicht in der Lage, die Gefahr aus dem Osten zu brechen, so wäre damit das Reich und in kurzer Folge ganz Europa dem Bolschewismus verfallen."

So ähnlich redete später aber auch US-General Patton, der gleich nach Krieg am liebsten mit den Deutschen zusammen bis nach Moskau weitermarschiert wäre. Mit Stalin, den er mitsamt seinen mordenden Horden vom Planeten jagen wollte, hatte Patton allerdings einen Verbrecher im Visier, der Hitler in vielem nicht nachstand und dennoch für die West-Alliierten ein unverzichtbarer Verbündeter gewesen war, ohne den sie auch in den Ardennen auf einen noch viel stärkeren und furchtbareren Gegner gestoßen wären.

Und wenn das Ziel der deutschen Gegenoffensive, bis Antwerpen vorzustoßen und den wichtigen Nachschubhafen der West-Alliierten unter Kontrolle zu bringen, erreicht worden wäre, hätte das weit reichende Konsequenzen gehabt und möglicherweise zum Rückzug der amerikanischen Bodentruppen vom europäischen Festland geführt. Und zu einem erneuten militärischen Anlauf mit einer neuen Invasion und vielen weiteren Gefallenen wäre die amerikanische Politik vielleicht nicht mehr bereit gewesen.


Doch man weiß nicht, was die (in Großbritannien stationierten) alliierten Bomber dann veranstaltet hätten, die ihre weit reichende Wirkung im Februar 1945 in Dresden demonstrierten. Zur Bombardierung von Dresden macht das Deutsche Historische Museum Berlin folgende Angaben:

"In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 erfolgte auf das rund 630.000 Einwohner zählende Dresden der schwerste Luftangriff auf eine Stadt im Zweiten Weltkrieg. 773 britische Bomber warfen in zwei Angriffswellen zunächst gewaltige Mengen an Sprengbomben ab. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die anschließend abgeworfenen etwa 650.000 Brandbomben eine größere Wirkung entfalten. Ihr Feuersturm zerstörte rund 80.000 Wohnungen, und ihre Hitzeeinwirkung deformierte sämtliches Glas in der Innenstadt. Dem britischen Nachtangriff auf die ungeschützte Stadt, die über keinerlei Luftabwehr verfügte, folgte am Tag die Flächenbombardierung durch 311 amerikanische Bomber. Am 15. Februar mußte das bereits vollständig zerstörte und mit schlesischen Flüchtlingen überfüllte Dresden einen weiteren Angriff der US-Luftwaffe überstehen. Weit über 35.000 Zivilisten verloren ihr Leben."

Ein Augenzeuge des Feuersturms: "Als die Feuerwehrfahrzeuge ausrückten, blieben sie im Asphalt stecken und verbrannten. ... Die Menschen in ihrer Not sprangen in die Brunnen. Das war ihr Ende. Sie haben darin gekocht wie ein Ei." - Der damalige Chef der US-Aufklärungsabteilung (Kenneth Gailbraith) meinte später: "Die enorme Grausamkeit dieses Angriffs auf Dresden, als der Krieg schon gewonnen war, und der Tod von Kindern, Frauen und Zivilisten - das war sehr schwerwiegend und diente keinem Zweck." Auch Churchill soll gefragt haben: "Sind wir Bestien, gehen wir zu weit?"

Erinnern wir uns in diesem Zusammhang aber auch an die Worte Goebbels in der bereits erwähnten Rede, die er zwei Jahre zuvor im Berliner Sportpalast gehalten hatte, in der er sich nicht nur an "das im Nationalsozialismus erzogene, geschulte und disziplinierte deutsche Volk", sondern ausdrücklich auch an die ganze Welt und insbesondere an die Feinde wandte ("die uns auch an ihrem Rundfunk zuhören"), Worte, die das Unheil des schonungslosen Bombenkrieges geradezu auf Deutschland herabbeschworen:

"Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?"
Und die Menge antwortete mit einem frenetischen (und nicht weniger phrenetischen): "Jaaaaa".

Der Schlusssatz der Goebbels-Rede lautete: "Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!"


Nach einer erfolgreichen Ardennen-Offensive und einem Rückzug der alliierten Bodentruppen wäre auf die deutsche Bevölkerung vielleicht noch so mancher Spreng- und Brandbomben-Hagel niedergegangen wie der von Dresden.

Vielleicht hätte Deutschland aber auch Besuch von einem kleinen Jungen und einem dicken Mann aus Amerika bekommen, die den Krieg in Europa auf ihre Weise schnell hätten beenden können. Nachdem aber die Wehrmacht im Mai 1945 kapituliert hatte, reisten die beiden, die sich nicht darum scherten, ob jemand eine Uniform anhatte oder nicht, im August 1945 nach Japan.

"Little Boy" tötete bei seiner Ankunft auf der Stelle rund 90.000 Japaner aller Altersgruppen und richtete 50.000 so zu, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt starben. "Fat Man" killte wenig später 36.000 Männer, Frauen und Kinder sofort und 40.000 mit Langzeitwirkung. Die beiden Amerikaner waren die Uran-235-Bombe von Hiroschima und die Plutonium-239-Bombe von Nagasaki, das - aus rein meteorologischen Gründen - eine nicht bestellte Luftfracht geliefert bekam, die ursprünglich für Kokura bestimmt war (hierzu und zu Atomwaffen im Allgemeinen siehe z. B. Wikipedia. Andere Quellen geben noch höhere Opferzahlen an.)

Lufwaffengeneral Spaatz, der von Guam aus die Bombardierungen leitete, hatte auf einem schriftlichen Einsatzbefehl bestanden: "If I'm going to kill a hundred thousand people, I'm not going to do it on verbal orders. I want a piece of paper" (Gallery of History).

Ging es den Amerikanern damals nur darum, einen grausamen und verbissen kämpfenden Feind in die Knie zu zwingen, der beispielsweise im Februar 1945 in den Kämpfen auf Iwo Jima, das zu einem Heldenmythos der US-Marines wurde, fast 7.000 amerikanische Soldaten getötet hatte (bei etwa dreimal so hohen japanischen Verlusten, praktisch bis zum letzten Mann), einen Feind, dessen Kamikaze-Piloten sich mit ihren Bombern selbstmörderisch auf die amerikanischen Kriegsschiffe stürzten?

Doch dieser Feind war schon stark geschwächt und zog, nachdem Deutschland getreu dem Grundsatz "Germany First" bezwungen war, die ganze Militärmacht der Alliierten auf sich. Wollten die Amerikaner vielleicht nicht nur den Krieg so verlustarm und schnell wie möglich beenden, sondern auch die Gelegenheit des zu Ende gehenden Pazifik-Krieges dazu nutzen, ihre frisch entwickelte neue Militärtechnik (in zwei Varianten) in der Praxis auszuprobieren? Gab es keine schonendere (vor allem die Zivilbevölkerung und besonders die vielen Kinder schonende) Möglichkeit, den Japanern die Zerstörungskraft einer Atombombe zu demonstrieren?

Eine von der North Park Universität Chicago herausgegebene Chronologie des Zweiten Weltkriegs geht auch auf die Atombombenabwürfe ein: The US drops Atomic Bombs on Hiroshima and Nagasaki. Über die Entscheidung US-Präsident Trumans heißt es: "He decided to use the bomb in order to shorten the war. His reasoning was that innumerable allied lives would be saved while delivering all people who were currently under Japanese rule." Truman wollte also den Krieg verkürzen und alliierte Leben retten.

Und über die Auswahl Hiroschimas als Bombenziel: "A committee chose to drop the bomb on Hiroshima based on three main factors: Hiroshima was a very industrial city, had a military base and had not yet been bombed, making it a good target to display the destructive power of the US’s new superbomb." Die Tatsache, dass die Industriestadt mit einer Militärbasis zuvor noch nicht bombardiert worden war, machte sie also zu einem guten Ziel, um die Zerstörungskraft der neuen Superbombe der USA zu zeigen.

(Wem zu zeigen? Den Japanern oder auch den amerikanischen Militärstrategen, die wohl schon über das Ende des Krieges hinausdachten?)

Nach der Zerstörung Hiroschimas am 6. August 1945 ließ man den Japanern nicht viel Zeit zu kapitulieren. "After the bomb was dropped Truman once again warned Japan of the devastation which was to come if they did not surrender. Japan failed to comply, however, and the plan was put in motion, to drop a second bomb." Bereits drei Tage nach Hiroschima wurde Nagasaki zerstört. Weitere fünf Tage später erklärte sich Japan zur bedingungslosen Kapitulation bereit.

Vielleicht bekam die Gattung der Kernwaffen ja auch erst durch die grausamen praktischen Beispiele von Hiroschima und Nagasaki jene Abschreckungswirkung, die in den folgenden Jahrzehnten verhinderte, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer wurde, mit noch viel verheerenderen Folgen. (Die Sowjets testeten Jahre später einmal eine Bombe mit mehr als der viertausendfachen Sprengkraft der Hiroschima-Bombe.)

Wie dem auch sei, der Copilot der B-29, die die Bombe über Hiroschima abgeworfen hatte, schrieb danach ins Logbuch: "My God, what have we done?"

Zu den Toten von Hiroschima (einschließlich der an Spätfolgen Gestorbenen) macht die Universität Chicago (s. o.) folgende Angaben: "The total death toll of ‘Little Boy’ was about 200,000." Und zu den Opfern von ‘Fat Man’ (der größeren der beiden Bomben) in Nagasaki: "It killed 150,000 people as well as causing the same long term effects as ‘Little Boy’."

Das sind zusammengerechnet annähernd so viele Tote wie die rund 400.000 amerikanischen Kriegsopfer des gesamten Zweiten Weltkriegs - denen man aber wohl noch so manchen schwer verwundeten US-Soldaten hinzurechnen könnte, der den Krieg zwar überlebte, aber an den Spätfolgen seiner Verletzungen schon in jungen Jahren verstarb.


Ein berühmter amerikanischer General, George S. Patton, der von seinen deutschen "Kollegen" gefürchtet und vielleicht noch mehr bewundert wurde und der auch an der verlustreichen Ardennenschlacht beteiligt war, liebte jedoch den militärischen Kampf über alles und wollte ihn am liebsten bis zur letzten Kugel in der letzten Schlacht auskosten, von der er selbst getroffen werden wollte.

Er kannte vielleicht die letzte Strophe des deutschen Panzerliedes: Ob’s stürmt oder schneit (ausgerechnet nach der Melodie des - ganz unmilitärischen - russischen Luiska-Liedes):

Und läßt uns im Stich
Einst das treulose Glück,
Und kehren wir nicht mehr
Zur Heimat zurück,
Trifft uns die Todeskugel,
Ruft uns das Schicksal ab,
- Ja Schicksal ab -
Dann wird uns der Panzer
Ein ehernes Grab.

Im Falle des legendärenden amerikanischen Panzergenerals, dessen Persönlichkeit durchaus auf dieser Wellenlänge funkte, verlief die Sache allerdings etwas anders - Aus einer Dokumentation der ARD:

George S. Patton Jr., Vier-Sterne-General der US-Army. Exaltierter, exzentrischer Selbstdarsteller auf dem europäischen Kriegsschauplatz. George S. Patton Jr. war unbestreitbar einer der bemerkenswertesten Amerikaner dieses Jahrhunderts. In seiner Person vereinte er die Individualität und das Lebensgefühl seines Landes, der Vereinigten Staaten von Amerika. Kein anderer Offizier der US-Army hatte es so verstanden, jene amerikanischen Werte zu zelebrieren, zu leben, die die US-Gesellschaft bis heute prägen. George S. Patton Jr. befriedigte den Hunger einer amerikanischen Öffentlichkeit nach Macht und Größe, nach Einzigartigkeit. Ein Held wie aus einem Western, der mit seinen beiden versilberten und mit Elfenbein besetzten Revolvern in der Hüfte, Europa von Adolf Hitler und den Nazis befreite.

Geboren wurde George S. Patton Jr. 1885 in San Gabriel, Kalifornien. Bevor Young Georgie so richtig loslegen konnte, hatte er den Hohn und Spott seiner Umwelt zu ertragen. Er war Legastheniker. In der aristokratisch, feudalistisch geprägten California Upper-Class, ein Makel, ein Stigma. Die Angst zu Versagen sollte von nun an der Antrieb für sein Tun und Handeln werden. Ein Gefühl der Minderwertigkeit ließ den Mann nicht mehr zur Ruhe kommen. Wir nähern uns einem Menschen, der an die Reinkarnation glaubte, der davon überzeugt war, dass Gott gerade ihn auserwählt habe, einen großen Krieg für seine USA zu führen.

Seine Karriere in diesem seinem Krieg, dem Zweiten Weltkrieg, ging steil nach oben. Doch polternd katapultierte er sich immer wieder ins Abseits, bis hin zum politischen Selbstmord: sein Vergleich der NSDAP mit den Demokraten und den Republikanern in den USA, seine Bewunderung für die SS: “...eine verdammt gut aussehende Bande von sehr disziplinierten Hurensöhnen”, seine Idee, mit der Deutschen Wehrmacht nach Moskau zu marschieren „um die Sache zu erledigen” und „...diesen Stalin mitsamt seinen mordenden Horden” vom Planeten jagen zu wollen, sein antisemitisches Gedankengut, dass er nicht für sich behalten konnte, sondern auch laut hinausposaunte: „Jews are lower than animals”.

Es war ein Zynismus der Geschichte, dass gerade Patton dabei mithalf, den (Nazi-) Heldenkult zu zerstören, den er eigentlich insgeheim verehrte. Aber genau das gehört zum ungewöhnlichen Mythos des Amerikaners.

Während Patton den Krieg über alles liebte, geschah dies nur unter seinem Pragmatismus, dass Kriege für die Menschheit unausweichlich seien. George S. Patton Jr. akzeptierte die Möglichkeit des Todes auf dem Schlachtfeld. Doch dieser Tod war ihm nicht „vergönnt“. Einen Tag vor seiner endgültigen Heimreise in die USA, am 9. Dezember 1945, wurde sein Fahrzeug in einen leichten Unfall verwickelt. Es gab keine Verletzten außer ihm - George S. Patton Jr. Vom Hals abwärts gelähmt, an Geräte angeschlossen, vegetierte der General noch elf Tage vor sich hin – und starb am 21. Dezember 1945 im US-Militärhospital in Heidelberg.

Als Soldat wollte er „...von der allerletzten Kugel in der allerletzten Schlacht” getroffen werden. Zwei Weltkriege hatte Patton überlebt, um schließlich hilflos in einem Hospitalbett zu sterben – nach einem harmlosen Verkehrsunfall in Mannheim-Käfertal.

Patton hat auch einmal gesagt: "Watch what people are cynical about, and one can often discover what they lack".


Auf den 2. Weltkrieg kommen wir noch zurück, machen aber zunächst einen Zeitsprung in die frühen Jahre der USA.

Schon im ersten Jahr ihres Bestehens hatten die Vereinigten Staaten heftigen Ärger mit den Deutschen, genauer gesagt mit den Hessen, d. h. mit hessischen Truppen, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg für die britische Krone gegen die Rebellen kämpften (bzw. kämpfen mussten) und ihnen auch ganz schön die Hölle heiß machten.

Ein hessischer Offizier: "Die Riflemans sind mehrentheils mit dem Bajonett an die Bäume gespießt worden; diese fürchterlichen Leute verdienen eher Mitleid als Furcht. Sie müssen immer eine Viertelstunde Zeit haben, um ein Gewehr zu laden und in dieser Zeit fühlen sie unsere Kugeln und Bajonette" (Der Soldatenhandel - Die Legende von den "verkauften Hessen").

General Washington konnte die Hessen jedoch in der Schlacht von Trenton überrumpeln - Weihnachten 1776.

Ein wichtiger Sieg, aber noch nicht längst nicht das Ende des Krieges, in dem auch ein ehemaliger preußischer Offizier eine bedeutende Rolle spielte. Er mochte die frisch gebackenen Amerikaner (womit natürlich nicht jene gemeint sind, die man noch heute in deutschen Bäckerläden findet) und kümmerte sich vor allem um die verbesserungsbedürftige Ausbildung der jungen Armee: Friedrich Wilhelm von Steuben, dessen Beitrag zur amerikanischen Unabhängigkeit heute noch in einer jährlich von den Deutsch-Amerikanern veranstalteten Parade im Herzen New Yorks gefeiert wird.

New York war übrigens ursprünglich eine holländische Siedlung unter dem Namen Nieuw Amsterdam. Zur Gründung dieser Haupt-Niederlassung von "Nieuw Nederland" erwarb die niederländische West-Indische Compagnie 1626 von den Indianern eine Flussinsel im "Noord Rivier" nahe der Küste und zahlte dafür mit Waren im Wert von 60 Gulden (des 17. Jahrhunderts), ein Betrag, den Historiker (im 19. Jahrhundert) in 24 US-Dollar umrechneten. Auf jeden Fall ein recht günstiger Preis, denn das Eiland, um das ging, war Manhattan.

Und der niederländische Gouverneur, der den Kauf tätigte, war Peter Minuit aus Wesel am Niederrhein, Herzogtum Kleve.

(Manhattan heute: > Bilder von Web Kameras des New York City Department of Transportation.)

Von den oben erwähnten gefürchteten Hessen (etwa 19.000 an der Zahl), die den Amerikanern die Unabhängigkeit vermiesen wollten, indem sie sie mit ihren Bajonetten an die Bäume spießten, blieben übrigens 3.000 nach Kriegsende freiwillig in der Neuen Welt. Und was wurde aus ihnen? - Amerikaner.


Goethe dichtete um 1800:

Amerika, Du hast es besser
Als unser Kontinent der alte,
Hast keine verfallenen Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern
Zu lebendiger Zeit
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.

Doch Goethe konnte den amerikanischen Bürgerkrieg, der von 1861 bis 1865 zwischen der Union der Nordstaaten und der Südstaaten-Konföderation tobte, nicht vorausahnen.

Im Civil War kamen mehr Amerikaner ums Leben als im Zweiten Weltkrieg. "Über drei Millionen Amerikaner kämpften in diesem Krieg und über 600.000 fielen ihm zum Opfer - zwei Prozent der Bevölkerung. Wohnhäuser wurden zu militärischen Hauptquatieren, Kirchen und Schulen zu Asylen für die Sterbenden, riesige, plündernde Heere verwüsteten Farmland und brannten Städte nieder. Amerikaner schlachteten sich gegenseitig ab, in ihrem eigenen Land, auf ihren eigenen Feldern ..." (aus einem Manuskript zur der aus den USA übernommenen Fernseh-Dokumentationsserie THE CIVIL WAR des Westdeutschen Rundfunks und des Bayrischen Rundfunks, 1992).

In diesem Sezessionskrieg dienten auch 180.000 bis 210.000 Deutsch-Amerikaner (besonders aus den Staaten New York, Ohio, Pennsylvania, Illinois, Indiana, Missouri und Wisconsin) auf Seiten der Nordstaaten. Es gab viele deutsche Kompanien und Geschützbatterien. 30 Regimenter waren rein deutsch. Unter den Unionssoldaten waren auch viele Flüchtlinge der gescheiterten deutschen Revolution von 1848. (Siehe dazu Universität Oldenburg: 1848/49 und 1861-1865.)

Im Kriegslied der Division Blenker sangen sie (nach der Melodie von "John Browns’s Body" mit dem bekannten Refrain "Glory, glory, halleluhja"):

Wir sind Deutsche und wir kämpfen
Für die Freiheit der Union
Fest im Glauben an die Einheit
So wie "48" schon
Yankee-Doodle auf den Lippen
Ist Gerechtigkeit der Lohn
Für das Banner der Union!

Chorus:
Auf, für Lincoln und die Freiheit,
Auf, für Lincoln und die Freiheit,
Auf, für Lincoln und die Freiheit
Für das Banner der Union!

(Text von der Webseite der Geschichtstheatergesellschaft e. V. > Lieder > Kriegslied der Division Blenker - mit der Anmerkung: "This song was reported to us by german reenactors. There is scarcely a doubt about its authenticity.")

So sangen demnach Deutsche, die als Amerikaner mit Amerikanern gegen Amerikaner für Amerika kämpften - unter Umständen sogar gegen andere Deutsche (in geringerer Zahl), die ebenfalls als Amerikaner mit Amerikanern gegen Amerikaner kämpften, aber für ein anderes, südlicheres, weniger industrialisiertes "land of cotton" (Dixie), eine Gesellschaft mit aristokratischen, romantischen Zügen, aber auch eine rassistische Gesellschaft, die an der Sklaverei festhielt - Hauptgrund oder Hauptbegründung für den Norden, den Süden niederzukämpfen und in die Union zurückzuzwingen.

Zu den aus Deutschland (bzw. aus dem deutschen Sprachraum) stammenden Soldaten in den grauen Rebellenuniformen: "One of the most overlooked group of soldiers that served in the Confederate Army are those individuals having Germanic surnames. While much attention is made to the large numbers of Germans that served in the Union Army, little is publicized about their southern counterpart or about the descendants of early Germanic immigrants that made it to this country as early as 1714, when the first German colony was established in Orange Co., Virginia ("Germanic Surnames in Grey").


Im Zusammenhang mit dem amerikanischen Bürgerkrieg spielt ein bekanntes deutsches Weihnachtslied eine skurrile Rolle:

1861 dichte ein (aus Maryland stammender) College-Lehrer in Louisiana voller Empörung darüber, dass Unionstruppen aus dem Norden durch seinen (zwischen Pennsylvania und dem Südstaat Virginia gelegenen) Heimatstaat marschiert waren: "Maryland, My Maryland", worin es u. a. heißt: "The despot’s heel ist on thy shore" und: "Avenge the patriotic gore, that flecked the streets of Baltimore" und an anderer Stelle: "Burst the tyrant’s chain, ... Virginia shall not call in vain." Vertont wurde das Gedicht (im Grunde ein flammender Appell an Maryland, zur Konföderation überzutreten und gegen den Norden mitzukämpfen) nach dem auch in Amerika bekannten "Oh, Tannenbaum".

Mit dieser Melodie erreichte J. R. Randall’s Gedicht ("a poem that is said to be American’s ‘most martial poem’") in Maryland und in den Südstaaten große Popularität (siehe auch Confederate Site of America > Confederate Music) und wurde dort praktisch zu einem Rebellenlied.

(Zum offiziellen State Song des Bundesstaates Maryland, der sich im Bürgerkrieg nicht an der Südstaaten-Konföderation beteiligt hatte, wurde es 1939, als sich jenseits des Atlantiks ein anderer "tyrant" regte als der, gegen den das einstige Bürgerkriegslied ursprünglich gerichtet war.)

Zur Entstehung eines weiteren State Songs, des Song of Iowa ("You asked what land I love the best ...") - ebenfalls nach der Melodie von "Oh, Tannenbaum" - hat uns der Urheber, ein ehemaliger Nordstaaten-Soldat, folgende Erklärung hinterlassen: "At the great battle of Lookout Mountain I was captured, in a charge, and taken to Libby Prison, Richmond, Va.   I was there seven months, in one room. The rebel bands often passed the prison, and for our discomfiture, sometimes played the tune 'My Maryland', set to southern and bitter words. Hearing it once through our barred window, I said to myself, 'I would like some day to put that tune to loyal words.'"

Auch der (inoffizielle) State Song eines dritten US-Bundesstaates: Michigan, My Michigan, wurde (1862) zu der Melodie von "Oh, Tannenbaum" geschrieben, von der Frau eines Militärarztes im amerikanischen Bürgerkrieg, "inspired to write the song after the battle of Fredericksburg".

Sehr beeindruckend - diese Verschmelzung von deutschem Weihnachtsliedgut und amerikanischem Kriegsheldentum. (Aber hatten die noch alle auf dem Christbaum?)


Vielleicht schreibt ja auch mal jemand für die heutigen US-Streitkräfte ein Lied nach der Melode von "Stille Nacht, heilige Nacht", das zum Beispiel den stillen Kiegern der Apachen gut anstünde, nicht denen vom Stamme Winnetous, sondern denen vom Stamme AH-64, auf ihren nächtlichen Schleichflügen im Irak.

Wir kommen noch darauf zurück, wollen aber erst den Finger auf einen anderen wunden Punkt der amerikanischen Geschichte legen: die Verbrechen an den Ureinwohnern, besonders die rücksichtslose Landnahme im Westen, womit man die dort lebenden indianischen Jäger, die sich im Einklang mit der Natur von den riesigen Büffelherden ernährten, ihrer Existenzgrundlage beraubte und ihre von einer naturverbundenen Spiritualität geprägte Kultur zerstörte. Eigentlich Völkermord.

Über ein Massaker, das Neu-Amerikaner (1864 in Sand Creek, Colorado) an Alt-Amerikanern begingen und bei dem annähernd zweihundert Cheyenne, überwiegend Frauen und Kinder, von Soldaten getötet wurden, berichtet Prof. Henrietta Mann, eine Amerikanerin von heute und zugleich Cheyenne-Älteste und Urenkelin einer Frau aus der Schar von Häuptling Black Kettle:

"My great grandmother was in the band, of Black Kettle when they were attacked. There's one little child that was walking up the creek bed, and there was a soldier there that was using the little boy as target practice. He took one shot, aimed, missed him. A second came along, tried and missed him, and a third said, 'Let me kill the little devil,' and the little boy dropped dead. You had pregnant women whose bodies were being cut open, and the fetuses being taken from them. The private body parts of men and women were cut from them, and some of them used as saddle horns, hat bands, tobacco pouches, put on public display in Denver City -- in such a way that you would begin to ask, 'Who is savage, in this case?' It certainly was not the Cheyenne." (Who is the Savage? / PBS)

(Wir kennen die gleiche Bestialität auch aus historisch jüngeren Zeiten und in noch viel, viel größerem Umfang im Machtbereich deutscher Truppen bzw. der SS, und auch die haben schon wieder - woanders - blutgierige Nachahmer gefunden.)

Über den Tod eines Cheyenne-Führers berichtete ein Augenzeuge: "White Antelope, when he saw the soldiers shooting into the lodges, made up his mind not to live any longer ... He stood in front of his lodge with his arms folded across his breast, singing the death-song: ‘Nothing lives long’, he sang, ‘only the earth and the mountains’".


Bedenken wir dabei, dass die amerikanischen Täter in sochen Fällen im Grunde Europäer waren, die den Indianern ihr Land und oft auch ihr Leben nahmen, darunter auch viele gebürtige Deutsche, von denen nicht wenige - aus Patriotismus für ihr neues Vaterland oder nur um ihr Brot zu verdienen oder weil sie Pferde liebten oder aus welchen Gründen auch immer - in der glorreichen US-Kavallerie dienten.

Das beweisen auch die Namen und Geburtsorte der Angehörigen des 7. US-Kavellerie-Regiments das (unter dem Befehl von Oberstleutnant Custer) im Juni 1876 in der legendären Schlacht am Little Bighorn River in Montana beim Angriff auf ein großes Indianerdorf vernichtend geschlagen wurde, was den Indianern aber letztlich nichts half, weil sie bekanntlich den weißen Eindringlingen insgesamt technisch und zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen waren.

Einen an einer Sandbank am Flussufer gefundenen Schädel und Oberarmknochen identifizierten amerikanische Archäologen mit modernen wissenschaftlichen Methoden und anhand eines alten Fotos als die Überreste von Edward Botzer, geboren 1845 in Bremerhaven, einer der 126 deutschen Soldaten Custers.

Dessen überlebender Kamerad Karl (Charles) Windolph, geboren 1851 in Bergen, der wie Botzer einer Teilnahme am Krieg von 1870/71 gegen Frankreich durch Auswanderung entgangen war, berichtete später: "Wir kämpften den ganzen Tag bis in die Nacht. Am nächsten Morgen belagerten uns die Indianer immer noch. Die Munition ging uns aus. Wir verkrochen uns und versuchten, am Leben zu bleiben. Aber wie lange war das möglich? Gott, ich hatte immer meinen Freund Edward vor Augen. Da haben wir Deutschland verlassen um vor einem Krieg zu flüchten, nur um uns in Amerika eine Uniform anzuziehen. Wir verfluchten Custer. Er hatte uns das eingebrockt." (aus der ZDF-Dokumentation Totentanz im Wilden Westen)

Übrigens soll Lieutenant-Colonel Custer ("with the brevet of major-general", kein echter Generalsrang, sondern mehr ein Ehrentitel, den sich Custer im Bürgerkrieg in der Nordstaaten-Armee erworben hatte) deutscher Abstammung gewesen sein. Sein Urgroßvater soll noch den Namen Küster getragen haben und als einer jener hessischen Söldner ins Land gekommen sein, die im Unabhängigkeitskrieg für die Briten gegen die Amerikaner kämpften und später selbst zu Amerikanern wurden.

Anders als sein Kommandeur überlebte der Gefreite Windolph jedoch nicht nur den Kampf mit den amerikanischen Ureinwohnern. In seine Lebenszeit fielen auch noch zwei Weltkriege, in denen US-Amerikaner in ganz anderen Dimensionen auf europäischen Schlachtfeldern gegen Deutsche kämpften. Er starb hochbetagt 1950 in South Dakota, rund 74 Jahre nach seinem Freund und Kameraden First Sergeant Edward Botzer, dessen Identität nach 125 Jahren geklärt werden konnte. Ein Archäologe: "Jetzt ist es nicht mehr der Schädel Nummer drei. Jetzt ist es ein Mensch mit einer Geschichte, der 1876 gestorben ist."


An dieser Stelle sollten wir aber auch die deutschen Einwanderer erwähnen, die 1846 das Städtchen Fredericksburg in Texas gründeten (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bürgerkriegs-Schlachtort in Virginia). Ihnen gelang nämlich eine beispiellose friedliche Koexistenz mit den Ureinwohnern der Region. Ihr Friedensvertrag von 1847 mit den Komantschen gilt als der einzige Vertrag zwischen weißen Siedlern und Indianern, der nie gebrochen wurde:

"Baron Ottfried Hans von Meusebach led 120 Germans to this spot in the midst of Comanche country and named it for Prince Frederick of Prussia. When they arrived it was discovered that the land also belonged to the native american indians. With few other options except work with the situation, the Germans became the only immigrant group to successfully negotiate peace with the Indians.
The Meusebach-Comanche Treaty of 1847 is unique in that it was never broken by either side to this day. This treaty is still celebrated annually in Fredericksburg at the Friendship Pow Wow held in May of each year."

(Und weiter heißt es noch: "Speaking German isn't necessity if you're going to visit Fredericksburg, but if you can speak a little it won't be out of place! German is still spoken in this town of 9,000.")


Zigmillionen Amerikaner haben deutsche Vorfahren. Von den vielen genealogischen Wurzeln der USA führt die dickste nach Deutschland: German Roots.

Zum Anteil der German-Americans an der US-Bevölkerung siehe Ancestry in the 2000 US Census. Danach bilden die Deutschstämmigen - ungeachtet der heute vorherrschenden Immigration aus Lateinamerika und Asien - immer noch (mit 42,8 Millionen) die stärkste Abstammungsgruppe vor Iren (30,5 Mio.), Afroamerikanern (24,9 Mio.) und Engländern (24,5 Mio.). Auch 4,9 Mio. Schotten und 4,3 Mio. "Scotch-Irish" ändern nichts daran, dass mehr Amerikaner Vorfahren aus Deutschland haben als aus Großbritannien. 18,4 Mio. zählt die Abstammungsgruppe der Mexikaner. Erst danach folgen Italiener, Polen und Franzosen.

Eine Karte der Universität von Minnesota zeigt die Anteile der Deutschstämmigen an der US-Bevölkerung [1990].


Dass aber beinahe Deutsch in den USA zur Landessprache geworden wäre und dass dazu bei der entscheidenden Abstimmung im amerikanischen Parlament nur eine Abgeordnetenstimme gefehlt habe, ist eine in Deutschland und den USA weit verbreitete Legende.

In Wahrheit ging es damals (gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die USA noch nicht mehr Einwohner hatten als ein kleinerer EU-Staat heute) lediglich darum, amerikanische Gesetzestexte mit Rücksicht auf die vielen deutschen Einwanderer nicht nur in Englisch, sondern auch in Deutsch zu veröffentlichen. Diese Bestrebungen wurden mit ganz knapper Mehrheit abgelehnt. Daraus entstand später die Legende, dass es nur an einer Stimme gelegen habe, dass Englisch zur offiziellen Landessprache der USA wurde und nicht Deutsch.

Vielleicht auch ganz gut so, denn wer weiß, wie die Amis in der Zwischenzeit ihr Deutsch weiterentwickelt hätten und ob wir darin noch unsere Muttersprache wieder erkennen würden. So wie schon der englische Schriftsteller Saki [eigentlich Hector Hugh Munro, 1870-1916] mit den Sprachkünsten der Amerikaner seine Probleme hatte: "I love Americans, but not when they try to talk French. What a blessing it is that they never try to talk English."

Aber Englisch ist ja (bis auf Rechtschreibung und Aussprache) leicht zu lernen, im Gegensatz zum Deutschen. Das meinte jedenfalls der amerikanische Autor Mark Twain [eigenlich Samuel Langhorne Clemens], der in Heidelberg studierte und der uns nicht nur Tom Sawyer und Huckleberry Finn hinterlassen hat, sondern auch einige humorige Bemerkungen über "the awful German language" (1880). Unter anderem schrieb er:

"My philological studies have satisfied me that a gifted person ought to learn English (barring spelling and pronouncing) in thirty hours, French in thirty days, and German in thirty years. It seems manifest, then, that the latter tongue ought to be trimmed down and repaired. If it is to remain as it is, it ought to be gently and reverently set aside among the dead languages, for only the dead have time to learn it."


Ganz so einfach ist Englisch natürlich auch nicht, besonders die Aussprache. Kleine Probleme damit hatten auch zwei nervige deutsche Einwanderer-Kids namens Hans und Fritz Katzenjammer (siehe Bild unten), die - stark an Max und Moritz erinnernd - die Hauptrollen in der ersten großen farbigen Comic-Serie spielten, die Ende des 19. Jahrhunderts in New York herauskam.


[The Katzenjammer Kids]


"The main characters in the comic strip were Mama Katzenjammer, her twin sons, Hans and Fritz, and the long-suffering target of their mischief, The Captain. The Katzenjammer Kids is an ‘ethnic’ comic strip. All the characters speak with a German accent. ‘Just’ becomes ‘chust’, ‘we’ becomes ‘ve’, and the Captain is, of course, ‘der Captain’. This device provided part of the charm of the strip in the early days, though it may be regarded as politically incorrect today."


Die Botschaft der USA in Deutschland schreibt zum Thema Deutsch-Amerikaner: "Die Leistungen und Beiträge der Deutsch-Amerikaner hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Vereinigten Staaten. Sie haben durch ihre praktischen Fähigkeiten, Fleiss, ihr Interesse an Kunst und Kultur, und ihre Lebensfreude Leben und Kultur in Amerika ihren Stempel aufgedrückt.
Deutsch-Amerikaner haben geholfen, all die Freiheiten zu erkämpfen und weiterzugeben, die Amerikaner heute genießen."

Neben allem was wir Deutschen sonst noch in der Geschichte verbrochen haben sind wir also auch in hohem Maße mitverantwortlich für die Entstehung der USA - die einen deutschen Stempel tragen.
Man könnte Katzenjammer kriegen.

Die US-Botschaft möge mir vergeben, es war nicht so gemeint.

Und im Übrigen haben ja auch die USA - im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach - Deutschland ganz schön "ihren Stempel aufgedrückt".


[Deutsche Kriegsgefangene und US-Truppen - Stadtarchiv Butzbach]

Deutsche Kriegsgefangene und US-Truppen (auf der Autobahn in der Wetterau)

http://www.wetteraukreis.de/pressestelle2005/themen/dezernat-a/finale1945.htm / Foto: Stadtarchiv Butzbach ]



[General Dwight D. Eisenhower]
       Übrigens war auch Dwight D. Eisenhower, der als Oberkommandierender der britisch-amerikanischen Invasionstreitkräfte in Europa am 5. Juni 1944 für den nachfolgenden Tag den Befehl zur Landung in der Normandie gegeben hatte und nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte Militärgouverneur in der amerikanischen Besatzungszone wurde, ein German-American, Spross einer deutschstämmigen, texanischen Farmerfamilie und Nachfahre eines bereits 1741 ausgewanderten Hans Nikolas Eisenhauer.

Später wurde Eisenhower NATO-Oberbefehlshaber in Brüssel und von 1953 bis 1961 amtierte er als 34. Präsident der Vereinigten Staaten.

Das Foto (WeltChronik.de) zeigt Eisenhower kurz nach der deutschen Kapitulation am 7. Mai 1945.

Durch den militärischen Erfolg "Eisenhauers" haben sich also die Deutschen gewissermaßen selbst besiegt.

Entschuldigung - eine dumme Bemerkung, die der General wohl überhaupt nicht komisch gefunden hätte, denn er war nicht besonders stolz auf seine deutsche Abstammung. In einem Brief an seine Frau schrieb Eisenhower im September 1944: "God, I hate the Germans ...".


Auch an den Erfolgen im Seekrieg gegen Japan hatte ein Deutsch-Amerikaner einen bedeutenden Anteil: Admiral Chester Nimitz, geboren 1885 in Fredericksburg, jenem Städtchen in Texas, das 1846 von deutschen Einwanderern gegründet worden war - den einzigen weißen Siedlern, die mit den Indianern einen Friedensvertrag schlossen, der nie gebrochen wurde (s. o.). Nach dem Desaster von Pearl Harbor Ende 1941, das für die USA den Kriegsbeginn bedeutete, wurde Nimtz Oberkommandierender der US-Pazifikflotte.


Die Amerikaner verzichteten allerdings darauf, den Pazifik-Krieg durch eine verlustreiche Invasion der japanischen Hauptinseln zu Ende zu bringen, und warfen stattdessen zwei Atombomben ab (s. o.), die ursprünglich eher für einen Einsatz gegen Deutschland konstruiert worden waren und an deren Entwicklung auch wieder Deutsch-Amerikaner maßgeblich mitgewirkt hatten.

Der in Ulm geborene, geniale Physiker Albert Einstein (der der Juden-Verfolgung der Nazis noch rechtzeitig durch Emigration in die USA entgangen war) hatte sich in einem Brief an US-Präsident Roosevelt für den Bau der Bombe eingesetzt. Einstein später: "Ich war mir der Gefahr wohl bewußt, welche das Gelingen dieses Unternehmens für die Menschheit bedeutete. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß die Deutschen an demselben Problem mit Aussichten auf Erfolg arbeiten dürften, hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Es blieb mir nichts anderes übrig, obwohl ich immer ein überzeugter Pazifist gewesen bin."

In der Tat hatte man in Deutschland an der Entwicklung von Kernwaffen gearbeitet. Der daran beteiligte Physiker Heisenberg (wohl einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts) teilte den Militärs allerdings schon 1942 mit, die Entwicklung einer Atombombe sei wahrscheinlich zu langwierig, um sie noch während des Krieges realisieren zu können. Fraglich ist, ob es daneben auch Arbeiten an einer kleineren, taktischen Kernwaffe gegeben hat. Vgl. Zdf-Dokumentation: "Was ist dran an ‘Hitlers Bombe’"?


Militärisch mitverantwortlich für die Atombombenabwürfe war General Carl Spaatz, Kommandierender General der strategischen Luftstreitkräfte im Pazifik, auch wieder ein Deutsch-Amerikaner.

Spaatz erhielt am 25. Juli 1945 (von Stabschef General Handy) den streng geheimen, schriftlichen Befehl zum Einsatz der Atombombe. Der erste Satz lautete: "The 509 Composite Group, 20th Air Force will deliver its first special bomb as soon as weather will permit visual bombing after about 3 August 1945 on one of the targets: Hiroshima, Kokura, Niigata and Nagasaki." Ferner hieß es: "Additional bombs will be delivered on the above targets as soon as made ready by the project staff." Mit dem Entscheidungsspielraum eines hochrangigen Kommandeurs hatte General Spaatz diesen Befehl in die Realität umzusetzen und befahl nun seinerseits am 6. August 1945 den Abwurf der Atombombe auf Hiroschima und drei Tage später den Atomschlag gegen Nagasaki.

Vorher hatte der in Pennsylvania geborene Spaatz (der sich ursprünglich Spatz schrieb und 1937 auf Wunsch seiner Familie in den von Amerikanern oft schlecht ausgesprochenen deutschen Namen ein zweites "a" einfügte) an der Kriegführung in Europa mitgewirkt. Zuletzt leitete er auf amerikamischer Seite die strategische Bombardierung Deutschlands, und seine Bomber flogen auch über Dresden.

Nach dem Krieg sagte Eisenhower, dass Spaatz, neben General Omar Bradley, einer der beiden amerikanischen Offiziere gewesen sei, die das meiste zum Sieg in Europa beigetragen hätten. Spaatz war auch der einzige General, der bei allen drei historischen Kapitulationen des Zweiten Weltkriegs zugegen war: in Reims, Berlin und Tokio.


Zu der etwas komplizierten Datierung des Endes des 2. Weltkriegs (der in Europa am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen und im Pazifikraum am 7. Dezember 1941 mit dem japanischen Luftangriff auf Pearl Harbor, Hawaii, begonnen hatte) noch folgende Anmerkungen:

Eine erste große Teilkapitulation deutscher Truppen im Norden und Westen Deutschlands erfolgte am 4. Mai 1945 in der Lüneburger Heide durch Generaladmiral von Friedeburg gegenüber dem britischen Feldmarschall Montgomery.
Drei Tage später erfolgte die Kapitulation der gesamten Wehrmacht im Hauptquartier Eisenhowers: "Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl in Reims das vielleicht wichtigste Dokument des Zweiten Weltkrieges - die Kapitulation Deutschlands. Doch Stalin war außer sich. Am 8. Mai wurde die Prozedur wiederholt."
Und zwar in Berlin (Karlshorst). Bei dieser Inszenierung musste Generalfeldmarschall Keitel gegenüber dem Marschall der Sowjetunion Schukow (sowie hochrangigen Offizieren der Westalliierten) kapitulieren. "Festgesetzt war der Waffenstillstand auf den 8. Mai, 23.01 Uhr. Doch als Keitel unterschrieb war es schon Mittwoch, der 9. Mai, 0.16 Uhr. Die Uhr am Moskauer Kreml zeigte sogar schon 2.16 Uhr. Aus diesem Grund gedenken die Amerikaner am 7., die Deutschen am 8. und die Russen am 9. Mai des Endes des Zweiten Weltkrieges [in Europa]."
"Keitel hatte ‘alle gegenwärtig unter deutschem Befehl stehenden Streitkräfte’ den Alliierten übergeben. Dennoch kämpften viele Einheiten weiter - weniger aus Fanatismus denn aus der Hoffnung, sich in den Westen durchschlagen zu können. Doch Mitte Mai schwiegen die Waffen. Der Krieg war aus. Jodl und Keitel wurden 1946 in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und am 16. Oktober hingerichtet." (Zitate aus www.stern.de: Die deutsche Kapitulation).
Der japanische Tenno erließ am 14. August 1945 (nach den Atombombenabwürfen vom 6. und 9. August) den Kaiserlichen Erlass über das Kriegsende, der am folgenden Tag im Radio gesendet wurde. Die förmliche Kapitulation erfolgte am 2. September 1945 bei Tokio auf dem amerikanischen Schlachtschiff Missouri. Allerdings kapitulierte die japanische China-Armee erst am 9. September in Nanking (siehe Wikipedia: Kapitulation Japans).


Nach Angaben der Universität von Indiana waren ein Drittel der 11 Millionen US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg deutscher Abstammung: "One-third of the eleven million soldiers in the U.S. armed forces in World War II were of German descent. Eisenhower was of Pennsylvanian-German descent. Other German-Americans were General Carl Spaatz and Admiral Chester Nimitz, commander-in-chief of the U.S. Pacific Fleet. 700 admirals and generals were German-Americans" (Important Dates in German-American History).

(Dass auch schon im Ersten Weltkrieg ein deutsch-amerikanischer General eine führende Rolle gespielt hatte, sei hier nur am Rande erwähnt. Oberkommandierender der American Expeditionary Forces [AEF] war John Pershing, ursprünglicher Familienname: Pfoerschin.)


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wich die Feindschaft zwischen Amerikanern und Deutschen schnell einer neuen Verbundenheit und nach den amerikanischen Kampfbombern hatten nun die "Rosinenbomber" der Luftbrücke ihre Zeit - während der fast einjährigen Berlin-Blockade von 1948/49.

Und 1961, in dem Jahr, als die Mauer gebaut wurde, standen sich mitten in Berlin an der Sektorengrenze amerikanische und sowjetische Panzer feuerbereit gegenüber, ohne allerdings auch nur einen Schuss abzugeben, der wohl zum Startschuss für den Dritten Weltkrieg geworden wäre ("perilous hours in a dispute over unrestricted American access to the Communist-ruled sector of the city" - siehe Deutsche Welle: Facing Off at Checkpoint Charlie).

Die DDR war in der damaligen Ulbricht-Ära noch ein Menschen verachtendes Regime stalinistischer Prägung. "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", hatte der Vorsitzende des Staatsrates, Walter Ulbricht, noch im Juni 1961 auf einer Pressekonferenz gelogen (siehe: Chronik der Mauer) - und sich dabei verplappert, denn nach einer Mauer hatte ihn eigentlich niemand gefragt. Trotzdem kam der Mauerbau als politischer Schock über die westliche Welt, worüber sich das Ulbricht-Regime auch noch lustig machte. Aus: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat 16 (2004):

Am 13. August 1961, so erzählt der Lyriker Heinz Kahlau, saß er mit Kollegen im Schriftstellerheim in der Sonne, als „schwitzende Komponisten in voller Uniform“ aus einem Geländewagen sprangen und riefen: „Jetzt müßt ihr Texte schreiben, wir müssen neue Lieder machen!“ Gesagt, getan, getextet: „Im Sommer 61 / Am dreizehnten August / Da schlossen wir die Grenze / Und keiner hat’s gewußt / Klappe zu, Affe tot!“ ...
Daß an der Mauer längst nicht nur der „Affe tot“ war, entging auch Heinz Kahlau nicht. Er schrieb später vor allem Liebesgedichte. Elf Tage nachdem Kahlau von seiner Sommerfrische aufgeschreckt worden war, lief beim DDR-Innenministerium folgende Nachricht ein: „Nachdem die Person in die Spree gesprungen war, wurden von den Genossen Warnschüsse abgegeben und danach Sperrfeuer gegeben.“ Zwei Tage zuvor, am 22. August, hatte das Politbüro den Schießbefehl verabschiedet - erstes Opfer: Günter Litfin, 24 Jahre alt.

Im Juni 1963 (wenige Monate vor seiner Ermordung im texanischen Dallas) machte US-Präsident Kennedy den Berlinern Mut mit den berühmten Worten: "Two thousand years ago, two thousand years ago, the proudest boast was ‘civis Romanus sum.’ Today, in the world of freedom, the proudest boast is ‘Ich bin ein Berliner.’ (I appreciate my interpreter translating my German.)"

"Freedom has many difficulties and democracy is not perfect. But we have never had to put a wall up to keep our people in -- to prevent them from leaving us. I want to say on behalf of my countrymen who live many miles away on the other side of the Atlantic, who are far distant from you, that they take the greatest pride, that they have been able to share with you, even from a distance, the story of the last 18 years. I know of no town, no city, that has been besieged for 18 years that still lives with the vitality and the force, and the hope, and the determination of the city of West Berlin."

Und kaum zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Welkriegs, in dem viele junge Amerikaner durch deutsche Kugeln gefallen waren: "In 18 years of peace and good faith, this generation of Germans has earned the right to be free, including the right to unite their families and their nation in lasting peace, with good will to all people."

Allerdings waren in jener Zeit auch die Amerikaner auf die Deutschen angewiesen. Ein Arrangement oder gar ein Bündnis der beiden größten Völker Europas und eine Verbindung von deutscher Strebsamkeit mit russischer Robustheit und von sowjetischer Militärmacht mit bundesdeutscher Wirtschaftskraft wäre vielleicht auch für die mächtigen Amerikaner eine Nummer zu groß gewesen und sie wären heute nicht die überragende Superpower, die sie sind.

(Aber was der völlig durchgeknallte deutsche Adler und der bis aufs Blut gereizte russische Bär einander angetan hatten, mit noch viel höheren Opferzahlen als an der Westfront, konnte wohl nicht so schnell heilen, und die Interessen und die Sympathien und die Stammverwandtschaft verbanden die Deutschen sowieso viel mehr mit dem Westen, auch wenn Ostdeutschland - mangels Alternativen - zu einem Musterknaben des Ostblocks wurde.)

Unvergessen auch die Rede Präsident Reagans, eines Ex-Cowboy-Schauspielers, Reaganomics-Experten und Star-Wars-Planers, der aber den UdSSR-Präsidenten und KPdSU-Generalsekretär mit geradezu visionären Worten im Mai 1987 am immer noch geschlossenen Brandenburger Tor beschwor, die Mauer niederzureißen: "Come here to this gate! Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!"

Und wirklich: Im November 1989 (während der Präsidentschaft von Bush senior) fiel die Mauer.

An den bald darauf geführten Verhandlungen zwischen den vier Siegermächten und den beiden deutschen Staaten über den Zwei-Plus-Vier-Vertrag, der die deutsche Wiedervereinung am 3.10.1990 ermöglichte, war auch eine gewisse Condoleezza Rice (Professorin für Politikwissenschaft und UdSSR-Expertin) maßgeblich beteiligt, die heutige Außenministerin der USA in der Administration von Bush junior, die ihrem Chef vorher schon als Beraterin für nationale Sicherheit gedient hatte. Auch im Hinblick auf die Wiedervereinigung sind wir den USA zu Dank verpflichtet, denn die Begeisterung so mancher europäischen Regierung für die deutsche Wiedervereinigung hielt sich damals doch sehr in Grenzen.

1991 prägte US-Präsident Bush senior bei einem Besuch in Mainz für das deutsch-amerikanische Verhältnis sogar die Formel "partners in leadership".

"Germany and the United States are partners in leadership. But leadership has a constant companion, responsibility" (George Bush sen., zitiert von Friedrich Merz).
(Merz [CDU] meinte dazu [anlässlich der Münchener Wehrkundetagung im Februar 2001]: "Wenn wir dies ernst nehmen, ist gerade Deutschland gefordert, die Streitkräfte in die Lage zu versetzen, die politisch vorgegebenen Aufgaben auch tatsächlich erfüllen zu können".)

2002 bestätigte Präsident George Bush junior auf einem Deutschland-Besuch die Worte seines Vaters und Vorvorgängers im Amte: "More than a decade ago ... my father spoke of Germany and America as partners in leadership -- and this has come to pass. A new era has arrived -- the strong Germany you have built is good for the world."

Hier ein Auszug aus einer deutschen Übersetzung der Rede von George W. Bush vor dem Deutschen Bundestag im Mai 2002 im Reichstagsgebäude in Berlin:

Jetzt habe ich die Ehre, diese großartige Stadt zu besuchen. Die Geschichte unserer Zeit spiegelt sich im Leben Berlins wider. In diesem Gebäude wurden Feuer des Hasses entfacht, die sich auf der ganzen Welt ausbreiteten. Flugzeuge der Alliierten brachten dieser Stadt während einer 323 Tage und Nächte andauernden Belagerung Nahrungsmittel und Hoffnung. Über eine schändliche Trennlinie sprangen Männer und Frauen aus Wohnhäusern und durchbrachen Stacheldraht, um in Freiheit zu leben oder bei dem Versuch zu sterben. Ein amerikanischer Präsident kam hierher, um sich stolz einen Bürger Berlins zu nennen. Ein anderer Präsident forderte die Sowjets auf: "reißen Sie diese Mauer nieder". Und in einer Nacht im November nahmen die Berliner die Geschichte in die Hand und vereinten ihre Stadt.

In der Spanne eines Lebens haben die Menschen dieser Hauptstadt und dieses Landes 12 Jahre Diktatur erduldet, unter 40 Jahren bitterer Teilung gelitten und in diesem herausfordernden Jahrzehnt der Wiedervereinigung obsiegt. Aus allen diesen Bewährungsproben ist Deutschland als verantwortungsvolle, wohlhabende und friedliche Nation hervorgegangen. Wie der Bundespräsident erwähnte, sprach mein Vater vor mehr als einem Jahrzehnt von Deutschland und den Vereinigten Staaten als Partner in der Führung - und das ist Wirklichkeit geworden. Ein neues Zeitalter ist angebrochen: Das starke Deutschland, das Sie aufgebaut haben, hat sich auf der Welt bewährt.



Doch nur wenige Monate später nannte Sicherheitsberaterin Rice die deutsch-amerikanischen Beziehungen "vergiftet".

Die "mächtigste Frau der Welt" (ZDF) hatte wohl eine ziemliche Wut im Bauch, weil der deutsche Bundeskanzler, als die USA immer deutlicher auf den Irak-Krieg zusteuerten, so gar nicht mitziehen wollte und dies auch ziemlich respektlos zum Ausdruck brachte und zu allem Überfluss Präsident Bush von einer unvorsichtigen deutschen Bundesministerin (die dann allerdings nicht mehr lange im Amt war) irgendwie mit Adolf Hitler in Zusammenhang gebracht wurde.

Im August 2002 hatte Bundeskanzler Schröder in Hannover in der Endrunde des Bundestagswahlkampfes erklärt, dass "Deutschland, unser Deutschland ... ein selbstbewusstes Land" sei, das für keine Abenteuer zur Verfügung stehe, und auch nicht für eine "Scheckbuchdiplomatie" (finanzielle Unterstützung der USA wie im vorigen Golf-Krieg). "Wir reagieren nicht auf Druck", betonte Schröder gegenüber Vertretern der Auslandspresse: "Das hat mit unserem Selbstbewusstsein zu tun." - Und in einer Rede vor dem Bundestag im September ließ er auch die Amerikaner wissen: über "die existentiellen Fragen der deutschen Nation" werde "in Berlin entschieden und nirgendwo anders" (Zitate von einer Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung).

Aus einem Bericht von www.politikerscreen.de vom 22. September 2002:

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind auf dem Tiefstand seit 1945. Präsident Bushs Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice brachte es in einem Interview auf den Punkt: "Vergiftet" nannte sie die Atmospäre zwischen den beiden Ländern. Es sei keine glückliche Zeit mit Deutschland. "Es wurden ein paar Sachen gesagt, die völlig unakzeptabel sind", sagte Rice. Im Zusammenhang mit den umstrittenen Hitler-Vergleichen Däubler-Gmelins erklärte die Beraterin, selbst wenn nur die Hälfte davon stimme, seien diese Äußerungen unannehmbar. "Wie kann man den Namen Hitler und den Namen des Präsidenten im selben Satz benutzen? Wie kann besonders ein Deutscher das tun, angesichts der Aufopferung der USA bei der Befreiung Deutschlands von Hitler?", sagte Rice. Sie machte gleichzeitig deutlich, dass das Weiße Haus auch über die Irak-Politik Deutschlands verärgert sei.
...
In einem Brief an den amerikanischen Präsidenten George W. Bush hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag noch versucht, die Wogen der Empörung zu glätten. "Ich möchte Dich auf diesem Wege wissen lassen, wie sehr ich bedauere, dass durch angebliche Äußerungen der Justizministerin ein Eindruck entstanden ist, der Deine Gefühle tief verletzt hat", schrieb Schröder: "Die Ministerin hat mir versichert, dass sie die ihr zugeschriebenen Aussagen nicht gemacht hat. Ich möchte Dir versichern, dass an meinem Kabinettstisch niemand Platz hat, der den amerikanischen Präsidenten mit einem Verbrecher in Verbindung bringt."
Das Weiße Haus zeigt sich jedoch unversöhnlich. Regierungsssprecher Ari Fleischer sagte, der Präsident habe in dieser Sache "sehr starke Gefühle." ... Däubler-Gmelin hat ihren Fehltritt vor den Berliner Journalisten indessen prinzipiell eingeräumt. Sie habe zwar die Politik der US-Regierung und den Namen Adolf Hitler in einem Gespäch mit Gewerkschaftlern in Tübingen erwähnt, gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass ein Zusammenhang zwischen Bush und Hitler nicht hergestellt werden dürfe.

Vielleicht hat die - mehr als verständliche - Hitler-Empfindlichkeit des US-Präsidenten aber auch noch eine andere Ursache, nämlich - Jahrzehnte zurückliegende - dubiose Kontakte seiner Familie mit deutschen Geschäftspartnern, von Richard N. Draheim (u. a. Kolumnist der Dallas Libertarian Post) kurz und drastisch als "The Bush Nazi Connection" bezeichnet, worauf wir hier aber nicht näher eingehen wollen, um die Aufarbeitung solcher connections erst einmal den Amerikanern selbst zu überlassen. Aber wir dürfen vielleicht festhalten, dass sich nicht alle Amerikaner in gleicher Weise an der "Aufopferung der USA bei der Befreiung Deutschlands von Hitler" (Condoleezza Rice, s. o.) beteiligt haben.


Das dpa-Foto rechts (siehe auch ZDF) zeigt die in Washington auch als "Kriegsprinzessin" oder "Stahlmagnolie" titulierte Mrs. Rice (die aus einer schwarzen Mittelschichtsfamilie aus Alabama stammt und vom ZDF mit den Worten zitiert wird: "Meine Eltern und Lehrer überzeugten mich, dass ich eines Tages ... Präsidentin der Vereinigten Staaten werden könne") zusammen mit dem amtierenden US-Präsidenten George W. Bush.

Der eigenartige Vorname der Ministerin, die einst Pianistin werden wollte, soll sich übrigens (laut Deutsche Welle u. a.) von der musikalischen Anweisung "con dolcezza" ableiten - "mit Sanftmut".
       [Condoleezza Rice und George W. Bush]

Andere Übersetzungen des italienischen Begriffs lauten: "mit lieblichem Vortrag" oder "mit Süße". Anscheinend kann die Süße aber auch ganz schön sauer werden.


Mindestens so sauer wie die "War Princess" (Newsweek) war auch KriegsVerteidigungsminister Rumsfeld, der "Pentagon Warlord" (Time), über die fehlende deutsche Unterstützung für die amerikanischen Irak-Pläne

(Als German-American mag sich Rumsfeld über die deutsche Irak-Kriegs-Unwilligkeit vielleicht besonders geärgert haben. Jedenfalls kann er froh sein, dass seine Vorfahren 1866 aus Norddeutschland - wo Rumsfeld übrigens seine deutsche Verwandtschaft vor vielen Jahren ein paar Mal besucht hat - in die USA ausgewandert sind, denn sonst wäre er heute womöglich deutscher Verteidigungsminister und müsste sich mit seinem amerikanischen Amtskollegen herumschlagen.)

Rumsfeld brachte seine Verärgerung unter anderem in einem Kongress-Hearing mit der Bemerkung zum Ausdruck: "Then, there are three or four countries that have said they won't do anything. I believe Libya, Cuba and Germany are ones that have indicated they won't help in any respect" (s. Bericht Deutsche Welle, Februar 2003). - Eine schallende Ohrfeige für den deutschen Bundeskanzler, in eine Reihe gestellt mit Muammar al-Gaddafi und Fidel Castro.

Dem amerikanischen Verteidungsminister verdanken wir auch einen neuen Begriff vom alten Europa: "Ich habe erlebt, dass Europa bei allen wichtigen Themen antwortet, wenn man klare Führung zeigt und Recht hat und überzeugende Fakten. Das hat Europa immer gemacht. SIE denken bei Europa an Deutschland und Frankreich. Ich nicht. Das ist altes Europa. Wenn Sie sich heute Nato-Europa ansehen, dann verlagert sich der Schwerpunkt nach Osten."


Aber sind wir Vasallen der USA? Deren Commander-in-Chief ist auf dem folgenden (vom Weißen Haus veröffentlichten) Foto zu bewundern: ein ehemaliger F-102-Jagdflieger der Texas Air National Guard, der sich als Führer (oder sagen wir lieber: political leader) seines Landes und Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte von seinen Soldaten feiern lässt:


[President George W. Bush receives cheers before giving remarks to military personnel at Fort Polk, La., Tuesday, Feb. 17, 2004. "In the war, America depends on our military to meet the dangers abroad and to keep our country safe," said the President. "The American people appreciate this sacrifice. And our government owes you more than gratitude." White House photo by Paul Morse.]

www.whitehouse.gov/news/releases/2004/02/images/20040217-5_b33s8505-515h.html ]


"HAIL TO THE CHIEF who in triumph advances"
(Präsidentenhymne, von einer Webseite der Library of Congress mit Patriotic Melodies)


Anstatt den UN-Waffeninspektoren im Irak noch mehr Zeit zu lassen (und dabei den Druck auf Saddam Hussein, dem langsam zu dämmern schien, das es ihm endgültig an den Kragen ginge, wenn er nicht ausreichend kooperierte, weiter aufrechtzuerhalten), spielten die USA (bzw. die Bush-Administration) die akute Bedrohung durch mutmaßliche Massenvernichtungswaffen übertrieben hoch und zogen ihren Irak-Krieg fest entschlossen durch, zusammen mit einer Zahl von Verbündeten (bzw. "willigen" Regierungen), aber ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates, gegen eine politische "Achse" Paris-Berlin-Moskau und ohne Rücksicht auf große Protestkundgebungen in vielen Städten der Welt, darunter auch in Washington und London.

"In den Abendstunden des 20. März 2003 ... begann der Angriff einer ‘Koalition der Willigen’, im Wesentlichen amerikanischer und britischer Streitkräfte, auf den Irak. Als amerikanische Panzerverbände am 9. April ins Zentrum Bagdads einrückten, war das Regime faktisch zusammengebrochen. Am 1. Mai erklärte Präsident Bush die ‘Hauptkampfhandlungen’ im Irak für abgeschlossen.
Deutschland war an den Kampfhandlungen nicht beteiligt. Allerdings blieb der Luftraum über Deutschland für die amerikanischen Streitkräfte geöffnet, und die deutschen Soldaten verblieben an Bord der in der Türkei zu deren Schutz stationierten AWACS-Flugzeuge der NATO" (Bundeszentrale für politische Bildung).


Der Biographie des berühmten Texaners im Oval Office entnehmen wir, dass er nicht nur berufliche Erfahrungen am Steuerknüppel eines texanischen Kampfjets hat, sondern auch als Unternehmer im Oil-and-Gas-Business tätig war. (Arbusto Energy hieß seine Firma. Arbusto ist Spanisch und bedeutet Busch bzw. bush oder Bush.)

Sein Vize Cheney war CEO von Halliburton ("one of the world's largest providers of products and services to the oil and gas industries") - kein schlechter Job. Das New Yorker World Policy Institute berichtete (2002) unter dem Titel "Poor Dick Cheney": "According to his tax return, Vice President Dick Cheney collected an income of about $4.3 million in 2001, a far cry from the $36 million he earned the year before taking office".

Im Weißen Haus riecht es verdammt stark nach Rohöl, dem Lebenssaft der amerikanischen Wirtschaft (und nicht nur der amerikanischen). Und davon ist noch viel im Irak zu holen und nicht mehr so viel in Nordamerika.

Außenministerin Rice (s. o.) war übrigens vormals Mitglied des Direktoriums von Chevron. Ein 129.000-Tonnen-Öltanker erhielt sogar ihren Namen. 2001 wurde das unter der Flagge der Bahamas fahrende Schiff jedoch (in Altair voyager) umbenannt. "We made the change to eliminate the unnecessary attention caused by the vessel's original name", erklärte ein Chevron-Sprecher (wie SFGate.com / San Francisco Chronicle berichtet).

Auch Verteidigungsminister Rumsfeld, der von 1975 bis 1977 (unter Präsident Ford) schon einmal dieses Amt innehatte, verbrachte in seinem wechselvollen Berufsleben viele Jahre in der Wirtschaft, oft bei gleichzeitiger Ausübung politischer Ämter. Ganz offen vermerkt das Verteidigungsministerium in der Biographie des Pentagon-Chefs: "During his business career, Mr. Rumsfeld continued his public service in a variety of Federal posts ...", und dann folgt eine kleine Liste von Bundes-Posten, die Herr Rumsfeld zwischen 1982 und 2000 innehatte (angefangen mit einer Funktion als "Member of the President's General Advisory Committee on Arms Control").

So sind sie eben, die Amerikaner, in ihrer Liebe zur Demokratie - und zum Kapitalismus. Und in ihrem Feuereifer für beides verwechseln sie manchmal das eine mit dem anderen.


Und ihren demokratischen Geschäftssinn verbinden die Amis wiederum mit einer tiefen Religiosität, die übrigens durch den amerikanischen Bürgerkrieg sehr gefördert wurde und die sie seitdem auch auf ihren Dollars zum Ausdruck bringen (seien es Münzen oder Scheine):

"The motto IN GOD WE TRUST was placed on United States coins largely because of the increased religious sentiment existing during the Civil War. Secretary of the Treasury Salmon P. Chase received many appeals from devout persons throughout the country, urging that the United States recognize the Deity on United States coins", berichtet das US-Finanzministerium. Fromme Leute aus dem ganzen Land drängten also darauf, in den Vereingten Staaten die Gottheit auf US-Münzen anzuerkennen.

Wie hätte das wohl Jesus von Nazareth gefallen? Wie die Bibel erzählt, stellten die Pharisäer Jesus eine Fangfrage: "Ist’s recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht?" Da nun Jesus merkete ihre Schalkheit, sprach er: "Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze." Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: "Wes ist das Bild und die Überschrift?" Sie sprachen zu ihm: "Des Kaisers." Da sprach er zu ihnen: "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist."

Mit seiner frommen Inschrift ist der Dollar auf jeden Fall Gottes, sozusagen Geld von Gottes Gnaden. Übrigens hat die heutige Weltleitwährung ihren namentlichen Ursprung im deutschen Sprachraum. Im Dollar steckt der nämlich der gute alte (auch aus einem Kinderlied bekannte) T(h)aler bzw. der Joachimstaler aus dem sächsisch-böhmischen Grenzgebiet, eine Münze, die im 16. Jahrhundert aus dem Silber des Erzgebirges geprägt wurde. "Taler sächsisch ausgesprochen ergibt in etwa das Wort Dollar" (US-INFOS.DE).

Seit 2001 gibt es übrigens auch den so genannten Golden Dollar, eine goldene 1-$-Münze, die allerdings nicht aus Gold ist. (Es ist nicht alles Gold, was glänzt.) Etwas älter ist schon der "Petrodollar", doch der ist weder aus Gold noch aus Silber noch aus irgendeinem anderen Edelmetall. Wenn es sein muss, macht man ihn aus Stahl - dem Stahl von Panzern und Kanonen.

"Nach Ansicht der Petrodollar-Theorie war die Bedeutung der Dollarfakturierung für die USA auch ein Grund für den Dritten Golfkrieg und andere außenpolitische Eingriffe.
Ende 2000 begann der Irak damit, Öl gegen Euro statt gegen US-Dollar zu verkaufen und stellte seine nationalen Devisenreserven auf Euro um. Wären andere Ölstaaten dem Beispiel gefolgt, hätten die USA dadurch zweifelsohne einen enormen Einnahmeausfall aus Seigniorage-Einnahmen befürchten müssen" (Wikipedia).


Wir erwähnten weiter oben schon einmal die Apachen vom Stamme AH-64 im Irak. Doch die Sache ist kein Spaß, sondern blutiger Ernst. Ein Video, mit Ton, nüchtern aufgezeichnet von der Infrarot-Kamera eines dieser raubinsektenartigen Helikopter, gelangte an die Öffentlichkeit und rief auch in Amerika viel Empörung hervor. Sieht aus wie ein für Jugendliche nicht geeignetes Videospiel, aber hier werden echte Menschen mit 30mm-Geschossen in die ewigen Jagdgründe befördert.

The Apache Killing Video zeigt nicht nur die entsetzliche Brutalität des Krieges, sondern dokumentiert offenbar auch ein Kriegsverbrechen. Die Schüsse auf einen verwundeten Iraker - nachdem der Pilot den klaren Befehl: "Hit him!" erhalten hatte - bezeichnete ein ehemaliger US-General als Mord: "According to the pilot the Iraqi resistance fighter is wounded. Nevertheless, the instruction is to kill him. I think it would have made more sense much to arrest the wounded one, and interrogate him. But completely apart from that: the killing of a disabled, wounded opponent is forbidden. According to the Geneva convention, that’s murder."

Aber: C’est la guerre, wenn man den Hund erst einmal von der Kette gelassen hat. Und der Unterschied zwischen einem legalen und einem illegalen Todesschuss in einem Krieg, der das Töten grundsätzlich erlaubt, auch den Feuerüberfall aus dem Hinterhalt auf einen Feind, der im Moment des Angriffs vielleicht nicht einmal eine Waffe in der Hand hält, ist auch nicht immer so leicht zu begreifen, wo es doch ganz einfach heißt:

Du sollst nicht töten. - Thou shalt not kill.

Schon mit seinen Vorbereitungen für den Irak-Krieg hatte der Methodist Bush den Unmut seiner eigenen Kirche erregt. Unter dem Titel: "Bush's church vs. Bush" berichtete UPI im Januar 2003: "Bishops and other leaders of the United Methodist Church -- which counts President George W. Bush among its adherents -- dominate the religious opposition against his preparations for a war on Iraq.
One of the bishops, Melvin G. Talbert, the UMC's chief ecumenical officer, stars in a 30-second commercial claiming that the war would ’violate God's law and the teachings of Jesus Christ‘".


Gleichwohl gewann George Walker Bush im November 2004 zum zweiten Mal den Kampf um das Weiße Haus (www.whitehouse.gov - nicht zu verwechseln mit www.whitehouse.org). Dafür entschuldigten sich viele Amerikaner, die sich einen anderen Wahlausgang gewünscht hätten, humorig-ironisch im Internet, beispielsweise mit den Worten: "Sorry world (we tried) - half of America" (www.sorryeverybody.com).


Bei aller berechtigten Kritik am außenpolitischen Vorgehen der Bush-Administration muss man den Amerikanern ihre Traumatisierung durch die furchtbaren Ereignisse des 11. September 2001 (siehe dazu Fotos u. a.) zugute halten, die gerade bei uns Deutschen nicht nur tiefe Anteilnahme, sondern auch ein ungutes Gefühl einer gewissen Mitverantwortung wecken sollten.

Eine besonders unheilvolle Wirkung hatten nämlich ein paar Hamburger, allerdings nicht von der Art, die man vor allem in Amerika zum Fressen gern hat. Gemeint sind vielmehr drei der arabischen Kamikaze-Piloten (im Alter zwischen 23 und 33), die als eher unverdächtig wirkende ehemalige Studenten der Technischen Universität Hamburg-Harburg (in den Fächern Stadtplanung, Flugzeugbau und Schiffbau) in die USA kamen.

In diesem Sinne gingen die Anschläge in New York von deutschem Boden aus. Der als Kopf der (insgesamt 19) Terroristen geltende Atta, dessen in Hamburg entstandene Diplomarbeit von 1999 die Widmung trägt: "Meine Opferung, mein Leben, mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten", reiste am 2. Mai 2001 mit einem in Hamburg ausgestellten Visum in die USA, um dort mit seinen Komplicen, vor allem den anderen ehemaligen Hamburger Studenten Jarrah und Al-Shehhi, die mörderischen Anschläge vorzubereiten.

Zur Rolle dieser Todespiloten am 11. September vermerkt eine Dokumentation der ARD:
"Nach Angaben des FBI fliegt Jarrah das Flugzeug der American Airlines, Flug 93, welches in Pennsylvania abstürzte. Absturzziel des Fluges sollte der Präsidentensitz Camp David sein."
"Nach Angaben des FBI fliegt Mohammed Atta das Flugzeug der American Airlines, Flug 011, das um 8.45 Uhr in den Nordturm des World Trade Centers rast."
"Nach Ermittlungen des FBI fliegt Al-Shehhi die Boeing, die in den Süd-Turm des World Trade Centers kracht."

Über Al-Shehhi meinte Scheich Abdulla bin Zayed (Vereinigte Arabische Emirate) später: "He was a normal individual until he went to Germany. It seems when he went to Germany, he met these radical fanatics who have a very different understanding of Islam than we do" (Inside the Terror Network / PBS - PBS = Public Broadcasting Service).

Ein viertes entführtes Passagierflugzeug schlug am gleichen Tag im Pentagon ein, dem Sitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums.

Hinter diesen und anderen Terroranschlägen stand der weltweit berüchtigte Osama bin Laden, der aber auch noch im vierten Jahr nach den September 11th Attacks auf einer Webseite des FBI die Liste der "Most Wanted Terrorists" anführt.


God Bless America,
Land that I love.
Stand beside her, and guide her
Thru the night with a light from above.

Vor allem Erleuchtung von oben sollten wir den Amerikanern wünschen, damit sie aus der fatalen Verfilzung von Wirtschaft und Politik und dem verworrenen Mischmasch aus berechtigter Selbstverteidung, naiver Demokratieverbreitung und ans Kriminelle grenzender Wahrnehmung ökonomischer Interessen, den sie "War on Terror(ism)" nennen und der im Irak einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, herausfinden - und gemeinsam mit den anderen entwickelten Nationen (die aber auch erst wieder begreifen müssen, dass Entwicklung mehr ist als Wirtschaftswachstum) eine globale Ordnungsstrategie entwickeln, welche die Menschheit - hoffentlich - vor dem Schlimmsten bewahrt, in einer Epoche, die das Grauen des Zweiten Weltkriegs noch übertreffen könnte - auf welche Weise und auf welchen geographischen Schauplätzen auch immer.

Wieso dieser Pessimismus?

Aus mancherlei Gründen und nicht zuletzt der simplen Tatsache wegen, dass heute noch viel mehr Menschen auf der Erde leben als Mitte des vorigen Jahrhunderts, woraus sich - weil der Mensch nun einmal von Natur aus ein streitbares Wesen ist - auch ein noch größeres Konfliktpotential ergibt und eine noch größere Anzahl möglicher Opfer. Auf den ersten Blick vielleicht eine etwas dürftige Begründung, aber man muss sich doch nur mal ein paar demographische Zahlen vor Augen halten:

Teil 2




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